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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2015
Und der Mensch schuf das Netz
Gott in der digitalen Revolution
Der Inhalt:

Grandhotel der Flüchtlinge

von Thomas Seiterich vom 10.04.2015
Neues Leben und sichere Jobs – dank Crowdfunding und der Wiener Caritas

»Das erste Grandhotel zu Low Budget Preisen« – um flotte Werbesprüche ist das Mitte Februar eröffnete Magdas-Hotel in Wien nicht verlegen. Das Besondere am Magdas: Vier Fünftel der Belegschaft sind Flüchtlinge. Die Lage des Hotels nicht weit vom großen Riesenrad auf dem Prater ist erstklassig. Nur die Außenwand des Baus erscheint etwas grau. Früher war hier ein Alten- und Pflegeheim der Caritas.

Neun Monate wurde das Haus in der Laufbergergasse 12, über dessen Eingang seit den 1960er-Jahren das Wort »Pensionistenheim« prangte, umgebaut. Ein topmodernes Architektenbüro namens AllesWirdGut möbelte den Bau stilistisch fürs 21. Jahrhundert auf. Bei der Eröffnung am Valentinstag sagte der Wiener Caritas-Präsident Michael Landau, es handele sich um ein »Hotel mit sozialem Mehrwert«. Landau: »Die Touristen werden von Menschen willkommen geheißen, die ihr Land nicht freiwillig verlassen haben.« Der Caritas-Chef verwies zugleich auf die politische Idee hinter dem Projekt: »Wer legal hier lebt, soll auch legal hier arbeiten dürfen. Denn es ist widersinnig, junge Leute zum Nichtstun zu verdammen.«

Die 26 Magdas-Hotelmitarbeiter kommen aus 16 Ländern und sprechen 24 Sprachen. Zwanzig Flüchtlinge sind mit festen Stellen in dem neuen Hotel beschäftigt und kümmern sich mit fünf öster reichischen Gastgewerbe-Profis und einem Job-Coach um die Gäste.

Anderthalb Millionen Euro kostete der Umbau der 78 Hotelzimmer. Zur Finanzierung durch die Caritas kamen via »Crowdfunding« viele solidarische Klein-Investoren. Einzelzimmer sind ab sechzig Euro buchbar. Als die früheren Bewohner ihr Pensionistenheim verließen, landeten ihre Möbel im Keller. Für das neue Hotel wurden die Schreibtische, Nachtkästchen und Vorzimmerspiegel liebevoll restauriert, von Flüchtlingen in fair bezahlter Arbeit. Sie schmücken nun die Flure und Zimmer.

Wem gibt dieses Hotel eine Zukunft? Antonio aus dem Iran zum Beispiel, der in seiner Heimat als Elektrotechniker in Öl- und Gasraffinerien arbeitete. Er wurde politisch verfolgt, musste fliehen. In Österreich erhielt er zwar schnell Asyl – aber keine Arbeit, abgesehen von kurzen Jobs auf Baustellen. Im Magdas ist er nun der Haustechniker. Oder Maryam aus Marokko. Wegen ihrer sexuellen Orientierung musste die lesbische Frau

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