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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2012
Russisch Roulette im Labor
Die falschen Versprechungen der grünen Gentechnik
Der Inhalt:

Null Toleranz?

von Britta Baas vom 04.05.2012
Noch ist sie nicht erfunden, die Fußfessel für Priester. Braucht man sie für alle, die sexuell übergriffig wurden?

Stephan Ackermann hat schon wieder Post bekommen. Der Bischof von Trier ist zwar an Papiermengen gewöhnt; beim Bearbeiten helfen Mitarbeiter. Dumm ist nur, dass in letzter Zeit öfter Offene Briefe auf seinem Schreibtisch landen – am 30. März zum Beispiel einer von der Basisbewegung Wir sind Kirche. Wieder einmal wegen der leidigen Missbrauchsfälle im Bistum. Wieder mal geht es gegen ihn, den Bischof. Und wieder mal fragt er sich wohl: Warum lassen die mich nicht einmal in Ruhe?

Sigrid Grabmeier, Annegret Laakmann und Christian Weisner finden nicht, dass sie den Bischof in Ruhe lassen können. Es ist schon einige Zeit bekannt, dass im Bistum Trier mehrere Priester als Seelsorger im Einsatz sind, die sexueller Übergriffe überführt wurden. »Dies halten wir für kein vorbildliches Zeichen für eine Umkehr und einen wirklichen Neuanfang im Umgang mit sexualisierter Gewalt in der Kirche«, schreiben die drei von Wir sind Kirche. Besonders ärgerlich sind sie darüber, dass es ausgerechnet Bischof Ackermann ist, der nicht so hart durchgreift, wie sie es sich wünschen. Denn der Mann ist nicht irgendein Bischof. Er ist der »Missbrauchsbeauftragte« der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Sozusagen das Vorbild schlechthin. Einer, auf den alle schauen, um von ihm zu lernen, wie man als Bischof handelt, wenn man über das Schicksal geständiger Täter im Priestergewand zu entscheiden hat.

Ackermann hatte es zum Beispiel mit einem siebzigjährigen Priester zu tun, der zugab, vor vielen Jahren zwei minderjährige Messdienerinnen missbraucht zu haben, eine davon über mehrere Jahre. Der Priester zeigte sich selbst an, als der Bischof dies von ihm verlangte. Doch Ackermann informierte über Monate weder die Öffentlichkeit noch suspendierte er den Mann vom Dienst. Mittlerweile ist der Priester pensioniert – was ihn nicht davon abhält, an gemeindlichen Aktivitäten – etwa einer Kindergarten-Einweihung – teilzunehmen.

Handelte der Bischof falsch? Hätte er mehr tun müssen, als den Priester zur Selbstanzeige zu drängen? Ackermann ist selbstkritisch. Als der Fall bekannt wird, sagt er: »Unsere Kontroll- und Aufsichtsmechanismen haben nicht so gegriffen, wie sie hätten greifen müssen.«

Der Fall steht exemplarisch für die vielen »strittigen Einzelfälle«, von denen Ackermann spricht und die nun ihn und seine Bischofs

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