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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2012
Russisch Roulette im Labor
Die falschen Versprechungen der grünen Gentechnik
Der Inhalt:

»Gottesdienste? Entsetzlich!«

von Christiane Ried, Stephan Cezanne vom 04.05.2012
In die Kirche geht er nur noch selten, ein Gottsucher ist er geblieben: Pfarrer Jürgen Fliege ist anders. Das lässt ihn seine Landeskirche spüren. Fragen an einen kritisierten Kritiker

Herr Fliege, gegen Sie läuft derzeit ein Disziplinarverfahren der rheinischen Landeskirche. Wie ist der neueste Stand?

Jürgen Fliege: Mir ist es verboten, Einzelheiten zu sagen. Das Vorgehen meiner Kirche verletzt mich. Aber ich will ja nicht unterstellen, dass meine Kritik sie nicht verletzt. In der Presse habe ich gelesen, dass es um zwei Sachen geht. Dass ich erstens einem jungen, unverheirateten Paar gesagt habe: »Gott und Kirche sind erst mal scheißegal.« Die beiden sind übrigens aus guten Gründen aus der Kirche ausgetreten. Die Frau denkt, dass Gott ihr den krebskranken Vater genommen hat, der Bräutigam war ein reicher Yuppie und rechnet mir knallhart vor, was Kirche kostet. In solchen Gesprächen fallen immer wieder Sätze wie: »Kirche ist doof!« Trotzdem war zu spüren, dass das Paar für seine Hochzeit auf der Suche nach Segen und Spiritualität war. Und da fasste ich zusammen: »Jetzt lasst mal euer Geschrei vom ›scheiß Gott und diese scheiß Kirche‹ sein. Warum wollt ihr, dass ich euch segne?« Ich muss die Menschen erst mal wieder abholen.

Und der zweite Punkt?

Fliege: Zweitens geht es um die »Fliege-Essenz«. Mit dieser Essenz wollte ich nie Weihwasser verkaufen, das ist wirklich falsch rübergekommen. Ich habe da zweifelsohne einen Fehler gemacht in meiner Art und Weise zu provozieren. Aber ich habe dem Hersteller angeboten, das Zeugs zu segnen – es war ja nicht Wasser, sondern ein bewährtes Kräuterheilmittel ...

War es ein Fehler, die Essenz für knapp vierzig Euro pro Fläschchen zu verkaufen?

Fliege: Ja! In Deutschland ist das Zusammenspiel von Pfarrer und Geld nicht vermittelbar. Ich erlebe es immer wieder, wenn ich zum Beispiel Gottesdienste oder Beerdigungen für Prominente organisiere. So etwas findet ja nicht nur in Tutzing, sondern auch in Berlin oder Hamburg statt. Die Angehörigen fragen mich nie, was sie mir schuldig sind, seien es auch nur Fahrtkosten. Die Meinung ist: »Kirche ist in jedem Fall umsonst.« Diesen Impuls habe auch ich in mir. Ich traue mich nicht zu sagen, dass ich Geld koste. Ich mache das schamhaft umsonst, weil ich Menschen nicht vor den Kopf stoßen will.

Haben Sie Nachteile durch das Disziplinarverfahren?

Fliege: Allerdings, seitdem die Kirche gesagt hat, si

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