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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2012
Russisch Roulette im Labor
Die falschen Versprechungen der grünen Gentechnik
Der Inhalt:

Die Macht der bunten Bilder

von Andrea Teupke vom 04.05.2012
Verbraucherschützer fordern ein Werbeverbot für Kinderlebensmittel. Recht so. Doch wann wehren sich endlich die Erwachsenen gegen die Werbeflut?

Es gibt Werbeplakate, die sind so schön, dass die Welt daneben verblasst. Dramatisch inszenierte Fotos verheißen ein anderes, spannenderes und leidenschaftlicheres Leben. Das Grau des städtischen Alltags verschwimmt daneben, triste Straßenzüge wirken noch trister.

Andere Plakate sind witzig oder zumindest originell, viele albern, geschmacklos und frauenfeindlich. »Feiern, bis die Ärztin kommt«, »Die Rache der Wanderhure«, »Don’t be a Maybe«: Mehrere tausend Werbebotschaften prasseln täglich auf uns ein. Sie begleiten uns auf dem Weg zur Arbeit, begegnen uns im Internet und im Fernsehen, leuchten von riesigen Bildschirmen in U-Bahnhöfen. Es gibt kein Entrinnen.

Werbung ist allgegenwärtig – und sie wirkt. Wer denkt, er oder sie sei immun gegen die mehr oder weniger subtile Beeinflussung, irrt. Längst wissen Hirnforscher, dass Werbung auch dann verarbeitet und im Langzeitgedächtnis abgespeichert wird, wenn sie gar nicht bewusst wahrgenommen wurde. Der Schlüssel zum Gedächtnis ist das Gefühl. Bilder und Filme lösen Emotionen aus, die sich einprägen – viel schneller und intensiver, als Informationen oder Argumente das je könnten. Deshalb funktioniert Branding, das Schaffen von Markenbewusstsein: Die Inhalte scheinen sich tatsächlich »einzubrennen«, wie Hirnforscher zeigen konnten. Sie baten Testpersonen, zwei Erfrischungsgetränke zu vergleichen. Beim reinen Geschmackstest wurden im Gehirn andere Regionen aktiv, als wenn die Personen wussten, dass es sich bei einem der Getränke um Coca-Cola handelte.

Merkwürdigerweise scheint das kaum jemanden zu stören. Werbung ist als Alltagsphänomen gesellschaftlich akzeptiert, wird hingenommen wie das Wetter. Weder die stereotypen Rollenbilder noch der penetrante Sexismus stoßen auf nennenswerten Widerstand. Obwohl die Sexualisierung der Darstellungen gefühlt ständig zunimmt, sind aktuelle Untersuchungen zum tatsächlichen Ausmaß schwer zu finden.

Antje Schrupp ist Politikwissenschaftlerin und Publizistin und hält seit mehreren Jahren Vorträge zum Thema Männer- und Frauenbilder in der Werbung. Auch sie vermisst eine kritische und unabhängige Wirkungsforschung. »Werbung verzerrt unser Bild von der Realität«, befürchtet Antje Schrupp. Denn sie zeige fast nur Menschen, die jung, gesund und attraktiv sind. Es gibt keine Behinderungen, keine Abweichungen

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