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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2012
Russisch Roulette im Labor
Die falschen Versprechungen der grünen Gentechnik
Der Inhalt:

»Die Armen zuerst«

von Gottfried Bohl vom 04.05.2012
Wie auf die neuen Formen der Ausbeutung reagieren? Fragen an den scheidenden Misereor-Chef Josef Sayer

? »Die Armen zuerst« – so war Ihre Antrittsrede 1998 überschrieben. Wie weit sind Sie auf diesem Weg gekommen?

! Das ist für uns bei Misereor bis heute selbstverständlich, dass die Armen im Mittelpunkt stehen. Nicht als Almosenempfänger, sondern als echte Partner. Wir haben mehr als 2600 Partnerorganisationen im Süden, das ist ein Riesen-Reichtum. Und den verbinden wir mit der Solidarität und Hilfsbereitschaft vieler Menschen hier bei uns, die an einer gerechteren Welt mitarbeiten wollen. Die sich berühren lassen von der Not der Armen. Diese Haltung meint »Die Armen zuerst« – sie prägt alles.

? Prägt sie auch die Politik?

! Wir vergessen zu oft die Verantwortung für die Armen und die kommenden Generationen. Deshalb darf Politik nicht nur den kurzfristigen Erfolg, wirtschaftliche Interessen oder den nächsten Wahltag im Blick haben. Und ich erwarte von der Politik, Wirtschaft, den Kirchen, aber auch von jedem Einzelnen, dass wir unserer Verantwortung für die Zukunft gerecht werden. Wir müssen uns am Weltgemeinwohl orientieren und die Schöpfung bewahren.

? Was heißt das konkret?

! Das geht beim täglichen Einkauf los. Wo wir überlegen sollten, wo und was wir kaufen. Muss ich Lebensmittel haben, die Tausende von Kilometern unterwegs waren? Muss ich so viel Fleisch essen, wenn ich weiß, dass dafür im Süden Unmengen an Soja als Futter angebaut werden, wodurch dann Flächen fehlen, um Bohnen und andere Grundnahrungsmittel anzubauen für die hungernde Bevölkerung?

? Wie hat sich die Entwicklungszusammenarbeit verändert? Etwa durch die Globalisierung, den 11. September, die Finanzkrise?

! Neu ist zum Beispiel das skandalöse Spekulieren – etwa mit Lebensmitteln oder mit zweifelhaften Finanzprodukten, wo man zusammen mit der Politik nach Gegenmitteln suchen muss. Was mich nach dem 11. September schockierte, waren die fatalen Reaktionen der Bush-Administration auf die schrecklichen Terroranschläge. Milliarden und Abermilliarden wurden vergeudet für einen sinnlosen Krieg. Wenn der Westen damals versucht hätte, aus christlicher Tradition »das Böse durch das Gute zu überwinden«, wie es im Römerbrief heißt,

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