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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2012
Russisch Roulette im Labor
Die falschen Versprechungen der grünen Gentechnik
Der Inhalt:

Das Dilemma mit dem Ei

von Bettina Röder vom 04.05.2012
Mit der »Kleingruppenhaltung« umgehen Hühnerbarone das Ende der Käfighaltung – und die Ministerin drückt sich

Wer hätte sie nicht gern, die bunten Eier, die in diesen Tagen auf dem Frühstückstisch oder im Osternest liegen. Und das gute Gewissen gibt es gratis dazu. Weil immer mehr Supermärkte auf den Verkauf von Eiern aus Käfighaltung verzichten. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn, wer ein paar Regale weitergeht, kann schon nicht mehr wissen, woher die Eier stammen, die er da kauft. Etwa, wenn sie in Nudeln oder im leckeren Osterkuchen verarbeitet sind. Denn da gibt es keine Kennzeichnung der Eier.

Das noch von der bündnisgrünen Verbraucherministerin Renate Künast auf den Weg gebrachte Ende der Käfighaltung ist also längst nicht vom Tisch. Unter der Mogelpackung »Kleingruppenhaltung« lebt sie fort. Die Hühnerbarone haben dieses Unwort erfunden, um das Verbot der Käfighaltung zu umgehen. Pro Huhn steht jetzt mehr als der A4-Blatt große Lebensraum im Käfig zur Verfügung: Er wurde großzügig um zwei Bierdeckel, also gerade mal 25 Quadratzentimeter erweitert. Die Luft zum Atmen für die Tiere, das heißt der Freiraum nach oben, beträgt laut Legehennenverordnung 15 Zentimeter. Nach dem Wunsch der Bundesregierung sollte dies bis 2035 gelten, lange 23 Jahre also. Das Bundesverfassungsgericht und der Bundesrat haben das abgelehnt. Die Bundesregierung wurde aufgefordert, bis zum 31. März dieses Jahres, also kurz vor Ostern, einen neuen Gesetzentwurf vorzulegen. Das ist geschehen.

Einen Kompromissvorschlag hatten die rheinland-pfälzische grüne Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken und ihr niedersächsischer Kollege Gerd Lindemann erarbeitet. Mit Übergangsfristen von 11 bis 13 Jahren sollte Schluss sein mit der Käfighaltung. Spätestens 2025 also. Doch aus dem Hause der Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner hieß es, das sei eine zu große Berufseinschränkung für die Hennenhalter. Im Agrarbericht der Bundesregierung vor dem Bundestag Ende März wurde das unterstrichen. Es bestehe kein Handlungsbedarf, hieß es da. Doch vorgetragen hatte den Bericht der Staatssekretär, nicht die Ministerin. Sie blieb dem Parlament, dem sie ja Rede und Antwort schuldig ist, fern. Da nutzte auch die kontroverse Debatte nichts. Was ab dem 1. April wird, steht nun in den Sternen.

Die Bundesländer sind jetzt gefordert, eigene Verordnungen auf den Weg zu bringen. »Das Hauen und Stechen ist vorprogrammiert«, sagt die Tierschutzbeauftragte vo

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