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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2019
Wahrheit
Auf der Suche nach einem Ideal
Der Inhalt:

Mord im Gotteshaus

Attentäter in sakralen Räumen handeln besonders perfide

Attentäter wählen den Ort ihrer Tat bewusst. Tim K., der vor zehn Jahren in Winnenden Mitschüler und Lehrerinnen erschoss, tat dies in der Schule, weil er, – so ein Erklärungsversuch – diesen Ort als demütigend erlebt hatte. Die Terroristen des 11. Septembers steuerten die Flugzeuge in das World Trade Center, weil es als Symbol des amerikanischen Kapitalismus galt. Wer eine Bombe in der U-Bahn explodieren lässt oder auf Café-Besucher feuert, sendet die Botschaft, dass Alltag und Genuss in dieser Stadt zu keiner Sekunde sicher sind.

Jeder Ort hat seine Aura. Deshalb ist der Tatort eines Massakers nicht nur mit unermesslichem Leid verbunden, sondern wird zum stummen Träger einer Botschaft. Wer in einem Gotteshaus tötet, demonstriert nicht nur seinen Hass auf die dort Betenden. Er sagt auch: Ich bin stärker als euer Gott. Der Ort, der euch heilig ist, an dem ihr eure Schuhe auszieht und die Hände zum Himmel erhebt – ich verwandle ihn zu einem Massengrab. Und euer Gott wird euch nicht vor meinem Hass bewahren.

Zu Recht wird die Verrohung beklagt, dass Terroristen ihre Gräueltaten live ins Internet stellen. Nicht minder verrohend ist es, dass Gotteshäuser immer öfter Schauplätze des Terrors werden. Islamisten, die an Weihnachten Kirchen in die Luft jagen, der amerikanische Rassist, der in der Synagoge von Pittsburg das Feuer eröffnet oder Brenton Tarrant, der Muslime in neuseeländischen Moscheen massakriert – die Logik ist die gleiche: Ich zerstöre euch mit allem, was euch heilig ist, töte euch dort, wo ihr euch zum Gebet versammelt, wo die Quelle eurer Hoffnung liegt. Die Täter hoffen, die Religionen gegeneinander aufzuhetzen, sie als Brandbeschleuniger für ihre Verschwörung