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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2019
Wahrheit
Auf der Suche nach einem Ideal
Der Inhalt:

Aufgefallen: Konservative Reformerin

von Thomas Seiterich vom 22.03.2019
Mechthild Heil, Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands, fordert von Bischöfen Aufklärung und Veränderung

Für Protest und lautstarkes Auftreten war die CDU-Bundestagsabgeordnete Mechthild Heil bisher nicht bekannt. Doch als kürzlich die katholischen deutschen Bischöfe in Lingen tagten, demonstrierte Heil, die auch Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) ist, dort gemeinsam mit 300 anderen Frauen. »Licht an!«, skandierten sie und leuchteten mit Taschenlampen symbolisch in die Kirche hinein. Sie forderten eine entschiedene Aufklärung sämtlicher Fälle von sexueller Gewalt, den überfälligen Zugang der Frauen zu allen Weiheämtern sowie Reformen in der katholischen Kirche.

Den feierlichen Auszug aus dem Eröffnungsgottesdienst der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz hatten sich die Bischöfe wohl anders vorgestellt. Auf den Transparenten der Protestierenden am Ausgang standen Forderungen wie »Kein Amt für Täter!«, »Vollständige juristische Aufklärung und Strafverfolgung« oder »Frauen in alle Weihe-Ämter«. Mechthild Heil überreichte dem Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode, Vorsitzender der »Unterkommission Frauen in Kirche und Gesellschaft«, 30 000 Postkarten, auf denen Frauen eine echte Erneuerung der Kirche fordern. »Wir wollen endlich Taten sehen«, sagte Mechthild Heil. Alles müsse auf den Prüfstand, die Kirche müsse endlich geschlechtergerecht werden.

Vor knapp zwei Jahren wurde die Bundestagsabgeordnete aus Andernach zur kfd-Vorsitzenden gewählt. »Ich bin keine Einzelkämpferin«, sagte Heil nach ihrer Wahl. »Als Architektin weiß ich: Am Bau kann einer allein nichts erreichen.« So sei es auch bei der Katholischen Frauengemeinschaft. Die ist mit rund 450 000 Mitgliedern in etwa 4000 örtlichen Gemeinschaften der größte Frauenverband Deutschlands. Heil setzt als Vorsitzende auf einen entschiedenen kirchlich-theologischen Reformkurs: »Schluss mit der Schönwetterpolitik«, fordert die 59-Jährige. Dass immer mehr Frauen »laut werden, zu Gebet oder Streik aufrufen«, begrüßt Heil als »wichtige Signale, die sich nicht länger ignorieren lassen«.

Seit 2009 gehört Heil dem Bundestag an, zweimal hat sie gegen Andrea Nahles (SPD) das Direktmandat im Bundestagswahlkreis Ahrweiler/Mayen gewonnen. Sie ist Verbraucherschutzbeauftragte der Unionsfraktion und seit vorigem Jahr Vorsitzende des Bauausschusses des Bundestags. In ihrer Heimatstadt Andernach ist sie fest verwurzelt: Als Mitglied

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