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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2019
Wahrheit
Auf der Suche nach einem Ideal
Der Inhalt:

Hat die Kirche einen Erbschaden?

Ein Gespräch mit der Theologin Julia Enxing über Schuld und Sünde der Kirche

Publik-Forum: Frau Enxing, bleibt Ihnen das Glaubensbekenntnis manchmal im Hals stecken, wenn Sie die Zeile »Ich glaube an die heilige katholische Kirche« sprechen?

Julia Enxing: Keinesfalls. Ich glaube nach wie vor, dass »die heilige katholische Kirche« von Gott gewollt ist und Menschen berufen sind, diesen Auftrag nach Kräften zu erfüllen: zu heiligen, zu segnen, das Leben gutzuheißen. Das Volk Gottes ist kein heiliges Volk, sondern ein zum Heil bestimmtes Volk. Dass Kirche sich in dieser Funktion häufig verfehlt, ändert nichts an ihrem heiligen Gründungsmoment, ihrem Auftrag und ihrer Botschaft. Von dieser bin ich nach wie vor überzeugt.

Wie ist das Attribut »heilig« zu verstehen?

Enxing: Heilig und heiligend ist die Kirche, sofern sie Sakrament ist, Wirkraum des Heiligen Geistes, verbunden mit Christus und im Glauben an die einst vollends erscheinende Heiligkeit Gottes. Solange Kirche aber pilgerndes Gottesvolk, das heißt auf dem Weg ist, solange ist sie auch sündig. Denn allein heilig ist nur Christus.

Bislang herrschte die Lehrmeinung vor, die Kirche sei heilig, nur einzelne Glieder könnten sündigen …

Enxing: Das ist eine künstliche Unterscheidung, die der Realität nicht standhält. Wie soll man sich die Größe »Kirche« denn ohne »Glieder« vorstellen? Theologisch ist diese Unterscheidung meines Erachtens nicht zutreffend, auch wenn es viele Versuche gibt, die Heiligkeit der Kirche einseitig zu stilisieren: »Sündige irdische Kirche« versus »heilige himmlische Kirche«, »objektive Heiligkeit« (Wort, Sakrament, Hierarchie) versus »subjektive Heili