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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2017
Angriff auf die freie Wahl
Wie Datenjäger die Demokratie gefährden
Der Inhalt:

Aufgefallen: Die Wetterfee

von Bettina Röder vom 24.03.2017
Melanie Segard wird im französischen Fernsehen plötzlich zum Star und gibt unzähligen anderen Menschen mit Downsydrom Mut

Bescheiden, fast schüchtern steht sie da. Die kleine Frau in der roten Bluse mit den großen Rüschen. Gerade hat sie im französischen Fernsehen das Wetter angekündigt. Und sich dann unverstellt darüber riesig gefreut, dass alles gut gegangen ist. Erleichtert umarmt sie die Chefmoderatorin. Millionen Herzen sind ihr da zugeflogen. Weil sie eben nicht irgendwelches Selbstbewusstsein vor sich hergetragen hat. Das liegt tief in ihr drin.

Dabei hat die 21-jährige Französin das, was so oft als Makel angesehen wird: Sie trägt das Chromosom 21 dreimal in jeder Körperzelle; bei den allermeisten Menschen ist es nur zweimal zu finden. Trisomie 21 heißt das darum. Melanie Segard wollte es allen zeigen: Ich kann eine ganze Menge, ich bin gar nicht so anders als ihr. Das hat geklappt. Im französischen Fernsehen jedenfalls. Dank des Behinderten-Dachverbands Unapei. Der hatte sie dabei unterstützt, ihren Traum mutig bei zu posten. Er rief die Kampagne »Melanie kann das« ins Leben. Die Fans jubelten. In 14 Tagen kamen 100 000 Unterstützer zusammen. Im richtigen Leben sieht das oft anders aus.

Vielleicht gerade aus diesem Grund kommt bei den Bildern vom Auftritt der unverstellten jungen Frau auch dieses andere Gefühl hoch: Was, wenn es bei diesem einen Auftritt bleibt, der Traum von Melanie, die sich natürlich mehr erhofft, zerplatzt? Und: Wird nicht ihre Trisomie 21 missbraucht für einen Showeffekt, diesen öffentlichen Kick, der die Betroffenen dann so manches Mal schon ganz schön tief hat fallen lassen?

Melanie Segard hat in diesen Tagen keinen Sensus für solche Fragen. Und sie ist zäh. Unermüdlich trainiert sie für weitere Auftritte zur besten Sendezeit. Für andere Behinderte, so sagt sie, wolle sie mit ihrem Auftritt Türen öffnen.

Und sie hat Freunde dabei: die Chefansagerin von France 2, die selbst sichtbar glücklich über den Erfolg der jungen Frau ist. Oder auch jener Sprecher von Unapei, der sich besonders um Menschen mit Downsyndrom kümmert und sie unterstützt. »Menschen mit Downsyndrom sind zu Großleistungen fähig, wenn man sie entsprechend begleitet«, ist er nun mehr denn je überzeugt.

Dass Menschen mit Downsyndrom ihre Träume verwirklichen können, bewies erst kürzlich auch die Australierin Madeline Stuart: Schon vor zwei Jahren war

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