Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
derzeit macht uns der Gang zum Leserbriefkästchen oder der Blick in den E-Mail-Account besonders viel Freude. Wir erhalten auf unsere Artikel so viel Post, online und handschriftlich, dass wir unmöglich alle Zuschriften dokumentieren können. Für die Leserdiskussion zum Kapitalismus in der Reihe »Baustelle Zukunft« (Seite 22) würden selbst acht Seiten nicht ausreichen. Das ist ein Hoffnungszeichen in Zeiten, in denen sich – unterstützt durch »intelligente« Suchmaschinen – immer mehr Menschen gegen andere Meinungen abschotten und nur noch ihre eigenen Ansichten bestätigt haben wollen. Bei uns ist das nicht der Fall. Die Auseinandersetzung mit der anderen Position – etwa in der »Baustelle Zukunft« – regt zu vertieftem Nachdenken an und hilft, dass unsere Zeitschrift dem Auftrag ihres Namens gerecht wird: ein öffentliches Forum zu sein, Publik-Forum eben. Doch wir sollten gewarnt sein: Die Möglichkeiten, mithilfe von Datensammlungen Meinung zu manipulieren und sogar Wahlen zu beeinflussen, sind enorm, wie der Beitrag von Hannes Grassegger belegt (Seite 12). Der Sieg von Donald Trump oder auch der Erfolg der »Brexit-Kampagne« zeigen, wie gezielt Firmen einzelne Internet-User mit politischen Informationen versorgen können, die exakt auf sie zugeschnitten sind. So gewinnen Kampagnen an Fahrt.
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Michael Schrom
ist Leiter des Ressorts
»Religion und Kirchen«
