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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2017
Angriff auf die freie Wahl
Wie Datenjäger die Demokratie gefährden
Der Inhalt:

Die Erosion alter Macht

Polen in Zeiten der Säkularisierung. Die Verbindung mit EU-Europa öffnet die Kirche langsam, aber sicher, sagt der Gesellschaftswissenschaftler und katholische Theologe Stanislaw Obirek

Publik-Forum: Herr Obirek, im Allgemeinen Theater in Warschau wird aktuell ein Stück gespielt, das den »polnischen Nationalheiligen« Johannes Paul II. und auch die katholische Kirche scharf attackiert. Erlebt das Land einen Kulturkampf? (Publik-Forum 5/17,S. 40)

Stanislaw Obirek: Ob es wirklich eine fundamentale Konfrontation ist, da bin ich mir nicht so sicher. Gewiss, es gibt einige Priester und Bischöfe, die lauthals radikale und konfrontative Gegenpositionen beziehen. Doch ich bezweifle, dass diese konservativen Lautsprecher für die polnische Kirche repräsentativ sind. Die meisten Bischöfe und Geistlichen sind eher zurückhaltend. Insgesamt herrscht innerhalb der Kirche relativ viel Verunsicherung und Wandel. Doch in den Medien spielen diejenigen rechten Katholiken, die als scharfe, polemische Gegner der liberalen Kräfte auftreten, eine weitaus größere Rolle als in der Wirklichkeit. Diese Überbewertung hat sowohl mit »Fallhöhe« zu tun wie auch mit der Dramaturgie von Berichterstattung.

Aber das Bündnis zwischen der nationalpopulistischen Regierungspartei PiS und der katholischen Amtskirche ist doch eng.

Obirek: Das enge Bündnis spitzt sich zu in einer einzigen Person: In Pater Tadeusz Rydzyk. Er verkörpert in Polen die Extremform des politischen Priesters – als Gründer und Chef des von einfachen Leuten viel gehörten Radio Maryja, des Privatfernsehens TV Trwam, der Tageszeitung Nasz Dziennik und dazu kommt dann noch seine Medienhochschule in Thorn. Jedoch: Dieser intolerante Politpriester und Medienboss erhielt niemals eine offiz