Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2016
Der neue Mensch
Jens Reich über Fluch und Segen der Gen-Medizin
Der Inhalt:

Aufgefallen: Die Verweigerin

Weil sich die 19-jährige Israelin Tair Kaminer dem Militärdienst widersetzt, sitzt sie nun zum dritten Mal im Gefängnis

Tair Kaminer ist 8218755. Das ist die Nummer, unter der sie im israelischen Militärgefängnis geführt wird. Dort verbüßt die junge Frau mit den langen schwarzen Haaren nun schon ihre dritte Haftstrafe. Der Grund: Sie weigert sich, in der Armee zu dienen.

»Um nicht eine aktive Rolle an der Besatzung der palästinensischen Gebiete zu spielen und am Unrecht, das dem paläs tinensischen Volk zugefügt wird. Um nicht teilzuhaben am Kreislauf des Hasses.« Mit diesen Worten begründet die 19-Jährige ihre Verweigerung. »Dieses Land ist mir zu wichtig, um zu schweigen«, sagte sie am Tag ihrer ersten Verhaftung zu Mitgliedern von Amnesty. Sie will, dass öffentlich über den Militärdienst und die Gewalt, die doch zu nichts führe, diskutiert wird. Und sie ist bereit, dafür einen persönlichen Preis zu zahlen. »Das Militärgefängnis macht mir weniger Angst als der Verlust der Humanität in unserer Gesellschaft«, schreibt sie in ihrer Erklärung »Warum ich verweigere«.

Tair Kaminer stammt aus einer linken Aktivistenfamilie. Seit sie sich erinnern kann, diskutierten sie dort über Politik und die Notwendigkeit einer Zwei-Staaten-Lösung. Trotzdem gingen Familienmitglieder zur Armee, und so zögerte Kaminer zunächst selbst. Ausschlaggebend für ihre Entscheidung war ein Freiwilligenjahr in der Stadt Sderot, deren Einwohner 1948 von israelischen Kräften vertrieben worden waren. Kaminer arbeitete dort mit Kindern, sah die Angst und den Hass in ihren Augen – und entschied: »Es reicht.« Am 10. Januar erklärte sie im Rekrutierungsbüro in Tel Ha shomer ihre Verweigerung und bat darum, zivilen Ersatzdienst leisten zu dürfen. Noch am selben Tag wurde sie zu zwanzig Tagen Haft verurteilt.