Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2014
Das Genmais-Komplott
Wie Konzerne eine Technologie durchsetzen, die keiner will
Der Inhalt:

Wie verbreitet ist Gewalt gegen Frauen?

von Andrea Teupke vom 28.03.2014
Fragen an Katja Grieger, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe

Publik-Forum: Frau Grieger, laut einer aktuellen EU-weiten Umfrage wurde jede dritte Befragte schon einmal Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt, jede zwanzigste Frau berichtete von Vergewaltigung. Hat Sie dieses Ergebnis überrascht?

Katja Grieger: Nein, das massive Ausmaß von Gewalt gegen Frauen ist allen bekannt, die in diesem Bereich tätig sind. Mich überrascht eher, wie wenig darüber gesprochen wird – und wie normal und alltäglich das in unserer Gesellschaft ist.

Wer ruft bei Frauennotrufen an?

Grieger: Das sind in erster Linie Frauen, die aktuell einen sexuellen Übergriff, eine Vergewaltigung oder auch Belästigung erlebt haben. Es rufen aber auch Frauen an, die in ihrer Kindheit oder Jugend Gewalt erlebt haben und die dieses Erlebnis verarbeiten wollen.

Welche Fragen haben die Frauen?

Grieger: Oft ist die erste Sorge der Frauen, wie sie gesundheitlich untersucht werden können, wie sie die Pille danach bekommen, oder ob es zur Übertragung von Geschlechtskrankheiten gekommen ist. Oder sie fragen sich: Soll ich das anzeigen? Dieser Entscheidungsprozess kann sehr, sehr lange dauern. Ein weiteres Thema ist der Umgang mit dem Schock. Es gibt auch so pragmatische Fragen wie: Wie lange kann ich mich jetzt krankschreiben lassen? Was soll ich meinem Arbeitgeber sagen? Wenn der Täter der eigene Partner ist, stellt sich die Frage, wie kann ich verhindern, dass es noch einmal so weit kommt?

Welche Folgen hat die Gewalt?

Grieger: Das ist individuell sehr unterschiedlich. Das Leben gerät nach einer solchen Tat erstmal aus den Fugen. Oft entstehen nach solchen Taten große Schwierigkeiten in Partnerschaften. Auch wenn der Täter nicht der eigene Partner war, kann es zur Trennung kommen, weil die Partnerschaft das nicht aushält. Nicht selten bekommen Frauen auch Schwierigkeiten im Beruf bis hin zur Kündigung, etwa weil sie Fehlzeiten am Arbeitsplatz haben. Wenn die Tat durch einen vertrauten Menschen begangen wurde, kann die Folge sein, dass man komplett das Vertrauen in soziale Beziehungen verliert. Zu uns kommen deshalb auch viele Frauen, die einen Neustart versuchen wollen. Die sagen dann etwa: Ich dachte lange, ich könnte das wegdrängen, aber ich muss mich der Sache jet

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen