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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2014
Das Genmais-Komplott
Wie Konzerne eine Technologie durchsetzen, die keiner will
Der Inhalt:

Kolumne von Anne Lemhöfer: Familienbande 2.0

vom 28.03.2014

Ein Kneipentisch. Vier Menschen in ihren Dreißigern. Gesprächsthema: Unsere Eltern und die digitale Welt. Es wird viel gelacht. »Meine Mutter ruft einmal im Monat an mit den Worten, sie habe ›das Internetz‹ kaputtgemacht«, erzählt meine Freundin Jule. Sie fahre daraufhin am Wochenende artig nach Gütersloh, um das verrutschte Programmsymbol auf dem Desktop aus einer ungewohnten Symbolleiste zu friemeln, esse ein Stück Streuselkuchen und reise wieder heim nach Frankfurt, als strahlende Heldin: »Was für ein Glück, dass du Grafikerin bist und dich so toll auskennst!«

Freund Thomas berichtet ehrlich gerührt von paketbraunen DIN-A4-Umschlägen, die er regelmäßig in seinem Briefkasten findet. Absender: Papa. Inhalt: Ausgedruckte Seiten, beklebt mit gelben Zetteln: »Diesen interessanten Artikel habe ich auf ›taz.de‹ gefunden. Ich wollte ihn dir nicht vorenthalten. So war das damals wirklich in Mutlangen.« Ein weiterer Freund hat sich lange gefragt, wie es zu den vielen Pluszeichen in den SMS-Nachrichten seines Vaters kommt, die etwa lauteten: »Hallo+++Wie geht es dir+++Habt ihr Schnee+++Hier nur kalt+++ Papa«. Es stellt sich heraus, dass der Vater – wie auf einer Schreibmaschine – so oft vermeintliche Leerzeichen eingibt, bis eine neue Zeile beginnt.

Das ist jetzt fünf Jahre her. Wir sind älter geworden, und die Eltern sind es auch. Wir sehen sie zu selten in echt, das ist schade. Es ist deshalb gut, dass es das Internet gibt – und mittlerweile alle Generationen dort herumwurschteln. Onkel Werner betätigt den »Like«-Button im sozialen Netzwerk Facebook häufiger als den Trafo seiner elektrischen Eisenbahn. Mama verschickt routiniert Fotos über das Handy-Netzwerk WhatsApp. In Amerika promovierende Töchter kommunizieren via Skype mit Oma und Opa in Bad Salzuflen. Nach dem Erasmus-Semester in Madrid oder Trondheim hängengebliebene Söhne und Nichten laden Videos (»Und hier die Aussicht auf den Fjord!«) in einer Dropbox hoch, zu der die ganze Verwandtschaft Link und Passwort besitzt. »Das Internetz« gehört nun allen. Wunderbar!

Ein bisschen skurril war die Frotzelei ja schon. Während sich die Älteren in dem Stadium befanden, das die Netzaktivistin Kathrin Passig einmal »digitale Pubertät« genannt hat, durchlebten wir (die wir, seien wir ehrlich, auch nur ein, z

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