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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2012
Gesellige Einzelgänger
Pilgern: Sich selbst auf der Spur – und vielleicht auch Gott
Der Inhalt:

Prüfstein Mitgefühl

von Norbert Copray vom 04.05.2012
Eine Anleitung für mehr Zuwendung, Empathie und Liebe

Karen Armstrong Die Botschaft Der Weg zu Frieden, Gerechtigkeit und Mitgefühl. Pattloch. 240 Seiten. 18 €

Eine wachsende Zahl von Menschen setzt auf Mitgefühl, weil nur Mitgefühl der Menschheit eine Zukunft sichert. Gleichwohl ist ihre Zahl noch klein, ja sehr klein im Verhältnis zu denen, die ihre Egomanie leben. Karen Armstrong, weltweit renommierte Religionswissenschaftlerin, stellt fest: »Alle Religionen betonen, das Mitgefühl sei der Prüfstein echter Spiritualität und bringe uns in Kontakt mit dem Transzendenten.«

Doch Religionsführer und Kirchenvertreter sprechen sehr selten vom Mitgefühl. »Manche religiösen Führer handeln und geben sich wie weltliche Politiker«, schreibt Armstrong. »Sie singen Loblieder auf ihr eigenes religiöses Bekenntnis, während sie ihre Konkurrenten verunglimpfen, ohne sich um Barmherzigkeit und Nächstenliebe zu kümmern. In öffentlichen Stellungnahmen sprechen sie nur selten von Mitgefühl, sondern konzentrieren sich auf zweitrangige Dinge wie das Sexualleben, die Priesterweihe von Frauen oder abstruse Lehrsätze.« Sie sehen im korrekten Nachbeten von Glaubensformeln das entscheidende Kriterium für wahren Glauben – anstatt die Goldene Regel (Was du nicht willst, dass man dir tut ...) und das Mitgefühl zum Maßstab zu machen. Mit Tausenden von Menschen aller Kontinente, Nationen und Religionen hat Armstrong eine »Charta der Anteilnahme« (»Charter for Compassion«) entwickelt, die Anteilnahme, Mitgefühl und Barmherzigkeit zu Schlüsseln des Friedens und der menschlichen Entwicklung erklärt. Eingangs erläutert sie, wie Mitgefühl und aggressiver Egoismus im Menschen verankert sind. Allerdings zeigt sie sich nicht ganz auf dem neuesten Stand der Säuglings- und Kleinkindforschung, wenn es heißt: »Zweifellos sind die Menschen in der Tiefe ihres Herzens tatsächlich gnadenlos egoistisch.«

Nein, das sind sie erst einmal nicht. Aber je nach Umgebung formt sich ihr Sinnen und Trachten häufig schnell in diese Richtung. Die Umgebung ist eine oftmals gnadenlose Wettbewerbsgesellschaft. In ihr leben die Vorbilder der Kinder. Von ihnen lernen sie schneller, als es manchen Eltern lieb ist.

Es ist möglich, Mitgefühl zu erwerben, zu vertiefen und auszubreiten. Was dafür zu tun ist, zeigt die ehemalige Nonne und heutige Botschafterin der UN-Initiative The Alliance of Civilizations

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