Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 7/2012
Russisch Roulette im Labor
Die falschen Versprechungen der grünen Gentechnik
Der Inhalt:

Wo höre ich auf? Wo fängst du an?

von Hans Jellouschek vom 04.05.2012
Die Liebe lebt von der Hingabe. Aber auch von den Grenzen, die die Partner sich setzen. Weil sonst die Spannung verloren geht

Da sitzen sie in meinem Beratungszimmer, Wolf und Dörte. Und sind sauer aufeinander. »Wir hatten doch vereinbart«, stöhnt Dörte, »dass ich wieder in den Beruf einsteige, wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind. Und dass du dann mehr zu Hause bist. Doch stattdessen lässt du dich total von der Arbeit auffressen. Und ich hänge zu Hause und kann nicht weg!«

»Du warst doch einverstanden, dass ich den Abteilungsleiterjob annehme«, kontert Wolf. »Weil ich damit mehr verdiene. Ich konnte ja nicht absehen, wie viel da auf mich zukommt! Und es ist ja auch nur die Einarbeitungsphase, das wird sicher besser werden.«

»Ach, Wolf, das hast du schon oft gesagt. Ich glaub dir da nichts mehr!«

Betretenes Schweigen. Wie so viele Paare, die in meine Praxis kommen, stehen Wolf und Dörte in dem Konflikt zwischen Hingabe und Abgrenzung. Sie sehnen sich nach einer Partnerschaft, die von gegenseitiger Liebe geprägt ist und das Leben beider Partner gleichermaßen bereichert.

Aber ist das überhaupt möglich? Liebe assoziieren wir ja in der Regel vor allem mit Hingabe. Kann man sich hingeben, ohne sich selbst zu verlieren? Ab wann wird Hingabe zur Selbst-Aufgabe? Ist nicht auch Abgrenzung vom anderen wichtig? Anders formuliert: Wo ist die Grenze der Hingabe? Wo fange ich an? Wo hörst du auf?

Wahrscheinlich war Selbst-Aufgabe in früheren Generationen häufig das Schicksal der Frauen in Ehe und Familie. Da war die Selbst-Aufgabe der Frau fast so etwas wie eine Grundvoraussetzung der Partnerschaft. Und das wollen die Frauen heute – genau wie Dörte in unserem Beispiel – auf keinen Fall mehr! Sie grenzen sich ab und bestehen auf ihren eigenen Zielen.

Männer sind dann manchmal irritiert und finden, dass Frauen ihre Abgrenzung übertreiben: »Du siehst nur noch dich und deinen Beruf!«, schmollt Wolf. »Und mich und meine Situation siehst du überhaupt nicht mehr! Schließlich schaffe ich ja den größten Teil des Geldes ran, damit wir uns das alles hier leisten können!«

»Ja, ja, tu nur so selbstlos!«, entgegnet Dörte. »Du schaffst ja nur so viel, weil es dir Spaß macht. Die Kinder und ich sind dir völlig egal!«

Hier wird das Problem deutlich, zwischen beidem einen Ausgleich zu schaffen: Hingabe braucht auch Abgrenzung, sonst wird sie Selbst-Aufgabe. Und Abgrenzung

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen