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Fotoausstellung: Graciela Iturbide
Vielfalt und Würde in Mexiko

Das Berliner C/O zeigt mit »Eyes to Fly With« Arbeiten der Fotografin Graciela Iturbide aus fünf Jahrzehnten. Im Fokus stehen Indigene und Frauen.
von Alicia Rust vom 11.03.2026
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Engel in der Wüste: »Mujer ángel« wurde 1979 in der Sonora-Wüste in Mexiko aufgenommen. (Foto: © Graciela Iturbide. Eyes to Fly With; C/O Berlin Foundation)
Engel in der Wüste: »Mujer ángel« wurde 1979 in der Sonora-Wüste in Mexiko aufgenommen. (Foto: © Graciela Iturbide. Eyes to Fly With; C/O Berlin Foundation)

Ausstellung. Die Fotografien von Graciela Iturbide zeigen ein Mexiko, das sich gängigen Bildern entzieht. Folkloristische Farben, Sombreros oder touristische Exotik darf man nicht erwarten: Iturbide arbeitet in Schwarz-Weiß. Ihre Bilder suchen nicht das Spektakel, sondern beobachten konzentriert. Die große Retrospektive »Eyes to Fly With« im C/O Berlin versammelt rund 250 Arbeiten aus fünf Jahrzehnten.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 5/2026 vom 13.03.2026, Seite 55
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Iturbide wurde 1942 in Mexiko-Stadt geboren. Sie wuchs in einer konservativen aristokratischen Familie auf und besuchte ein katholisches Mädcheninternat, heiratete früh und ließ sich wieder scheiden. Ihre Laufbahn als Fotografin begann in den 1970er-Jahren. Früh wandte sie sich Gemeinschaften zu, die in der offiziellen Darstellung Mexikos kaum vorkommen – etwa den indigenen Seri, die im Nordwesten des Landes als Nomaden leben und ihre eigenen Traditionen bewahren. Viele der bekanntesten Bilder zeigen Frauen, die selbstverständlich Raum einnehmen. Iturbide interessiert sich weniger für politische Parolen als für soziale Wirklichkeit – für Selbstbewusstsein, das sich in Haltung, Gesten und Blicken ausdrückt.

Wiederkehrende Themen sind Alltag, Ritual und Spiritualität. Iturbide zeigt, dass katholische Bildwelten, indigene Traditionen und lokale Bräuche nebeneinander existieren, ohne sie zu kommentieren. Auch Fotografien mit sensiblen Inhalten werden gezeigt, etwa die Aufbahrung eines gerade verstorbenen Kindes. Iturbides eigene Tochter verstarb im Alter von sechs Jahren. In ihren Fotografien thematisiert sie immer wieder die vielen mexikanischen Rituale rund um den Tod.

So entsteht ein vielschichtiges Porträt Mexikos, als Geflecht von Kulturen, Ritualen und Lebensweisen. In einem Land, das seit jeher geprägt ist von extremem sozialem Klassendenken, rückt Iturbide Menschen in ihrer Würde in den Mittelpunkt.

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