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Kinotipp
Trauma und Transzendenz

»The Testament of Ann Lee« ist eine Hommage an eine Frau, die eine christliche Utopie leben wollte und die Shaker-Gemeinschaft gründete.
von Birgit Roschy vom 11.03.2026
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 Ann Lee gründete die Shaker-Bewegung. Hier, im Film, wird sie verkörpert von Amanda Seyfried. (Foto: © Searchlight Pictures via Filmstarts.de)
Ann Lee gründete die Shaker-Bewegung. Hier, im Film, wird sie verkörpert von Amanda Seyfried. (Foto: © Searchlight Pictures via Filmstarts.de)

Kino. Die Shaker-Bewegung gehört zu den vielen freikirchlichen Gruppen, die im 18. Jahrhundert vor staatlicher Repression in die neue Welt flohen. Ihre Anführerin war Ann Lee, eine arme Arbeiterin aus Manchester, die aus einer Quäkerfamilie stammte. 1774 wanderte sie mit acht Anhängern nach Amerika aus und gründete bei New York die erste von vielen Shaker-Siedlungen. Doch auch im gelobten Land waren die Shaker der Verfolgung ausgesetzt, zumal sie im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg neutral bleiben wollten.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 5/2026 vom 13.03.2026, Seite 54
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Dieses Drama ist weniger eine detailgetreue Biografie als eine musikalische Hommage an diese charismatische Frau. Ihre Anhänger nannten sie Mother Ann und verehrten sie als weibliche Wiederkehr Jesu Christi. Bestimmender Teil der Handlung sind die rhythmischen Schütteltänze, die der Sekte den Spitznamen Shaker verschaffte, sowie die Shaker-Hymnen, die mit Folkelementen und elektronischen Sounds angereichert sind. Dabei gehen rauschhafte, oft Tage dauernde Shaker-»Raves« Hand in Hand mit assoziativen Szenen eines Frauenlebens, das von Gewalt und Misogynie geprägt war. Ann Lee hat in ihrer Ehe Missbrauch erfahren und litt unter dem frühen Tod ihrer vier Kinder. Deshalb reift in ihr die radikale Vision einer utopisch-christlichen Gemeinschaft nach dem Vorbild von Adam und Eva heran. Strikte Enthaltsamkeit, Gewaltfreiheit, Gleichberechtigung, ein arbeitsames, einfaches Leben sind die Gebote ihrer Religion. Ihr Gebet besteht aus ekstatischer Musik und Bewegung und es zieht immer mehr Jünger an. Mit manch sadistischen, gar pornografischen Momenten ist dies kein Film für jedermann. Als Versuch, die Verbindung zwischen Körper, Geist, Spiritualität und Transzendenz fassbar zu machen, ist er dennoch unbedingt empfehlenswert.

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Schlagwörter: Kino FilmBirgit Roschy
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