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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2019
Und die Demokratie lebt doch!
Schülerstreiks, Bienen-Volksbegehren, Frauenrechte
Der Inhalt:

VORGESPRÄCH: Singen für Gerechtigkeit

von Andrea Teupke vom 08.03.2019
Wie wird mit Kirchenliedern Politik gemacht? Fragen an Julia Koll, Studienleiterin der Evangelischen Akademie Loccum

Publik-Forum: Beim nächsten »Ökumenischen Kirchenliedseminar« geht es um »Macht und Ohnmacht – Kirchenlied und Politik«. Was hat das miteinander zu tun?

Julia Koll: Eine ganz Menge! Kirchenlieder drehen sich nicht nur um eine jenseitige Welt, sondern da reichen mitunter auch sehr handfest irdische Machtfragen hinein. Sie transportieren Bilder vom Verhältnis von Kirche und Welt, Himmel und Erde, irdischen und himmlischen Mächten …

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?

Koll: Mir fallen zunächst die Lieder aus dem sogenannten Neuen Geistlichen Lied ein – also zum Beispiel das »Andere Osterlied« von Kurt Marti: »Das könnte den Herren der Welt ja so passen …« Oder auch: »Der Himmel, der ist, ist nicht der Himmel, der kommt.« In diesen Texten geht es ganz klar darum, den Mächten dieser Welt etwas entgegenzusetzen.

Diese Lieder hatten ja eine dezidiert politische Botschaft. Gibt es so etwas heute noch?

Koll: Unser Eindruck ist, dass das heute deutlich schwächer ist als in den bewegten 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahren. Tatsächlich würde mir auf Anhieb kein neueres Lied einfallen, wo einem die politische Botschaft so ins Auge springt – wobei das natürlich auch schon wieder eine politische Aussage ist (lacht). Wir werden uns auf der Tagung aber auch damit beschäftigen, dass Lieder immer wieder auch von Machthabern gedeutet und benutzt wurden. So wurde etwa »Großer Gott, wir loben dich« vom altkirchlichen Morgenhymnus zum nationalen Lied der Deutschen Christen im Nationalsozialismus!

Wenn Lieder politisch sind – schlägt sich das auch in der Musik nieder?

Koll: Wir haben einen Komponisten eingeladen, der genau diese Frage untersuchen wird. Das ist ja das Schöne an diesem Seminar, dass da Musiker und Musikerinnen mit Theologen und Theologinnen zusammenkommen und Text und Musik gemeinsam in den Blick nehmen können.

Ein Thema Ihrer Tagung ist das Kirchenlied in der DDR. Werden diese Lieder heute noch im Gottesdienst gesungen?

Koll: Ein Beispiel aus dem Evangelischen Gesangbuch, das sehr viele Menschen kennen, ist »Vertraut den neu

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