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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2019
Und die Demokratie lebt doch!
Schülerstreiks, Bienen-Volksbegehren, Frauenrechte
Der Inhalt:

Streitfragenzur Zukunft: Dürfen wir Tierversuche machen?

von Gaby Neumann vom 08.03.2019
Nein, sie sind sinnlos und schädlich! Weil Menschen und Tiere sich stark unterscheiden, bringen Tierversuche mehr Schaden als Nutzen

Nein, wir brauchen keine Tierversuche. Sie sind nicht nur unethisch den Tieren gegenüber – die gewonnenen Erkenntnisse lassen sich auch kaum auf Menschen übertragen. Mensch und Tier unterscheiden sich hinsichtlich Körperbau, Organfunktion, Stoffwechsel und Ernährung erheblich voneinander. Zwar haben wir mit dem Schimpansen über 96 Prozent der Gene gemeinsam, mit der Maus immerhin noch 85 Prozent. Doch menschliches und tierisches Erbgut unterliegt teilweise einer völlig unterschiedlichen Steuerung. Deshalb bewirken die vier Prozent Unterschiede im Erbgut zwischen Mensch und Schimpanse, dass Letzterer beispielsweise nicht an Hepatitis B, Malaria oder Aids erkranken kann. Auch die Gehirne von Menschen und Affen sind anders aufgebaut. Das menschliche Gehirn ist nicht nur viermal so groß wie das der Schimpansen oder Gorillas: Wir haben auch Hirnareale, die es beim Affen nicht gibt, etwa für Sprache, Rechnen und abstraktes Denken. Die Anzahl der Nervenverbindungen und die Oberfläche des Gehirns sind beim Menschen um ein Vielfaches größer. Trotz all dieser Unterschiede werden in der Hirnforschung immer noch Affen als »Modell« für den Menschen genutzt.

Viele beim Menschen auftretende Krankheiten kommen bei Tieren gar nicht oder selten vor. So erkranken Tiere weder an Alzheimer noch an Parkinson. In der Forschung werden sie deswegen gentechnisch, operativ, medikamentös oder verhaltenstechnisch manipuliert, bis sie Symptome entwickeln, die denen der Krankheit ähneln. Häufig eingesetzte »Tiermodelle« für Krebs werden durch Genmanipulation oder Implantation menschlicher Krebszellen »hergestellt«. Ein Zittern, das an Parkinson erinnert, zeigen auch Affen, denen ein Nervengift ins Gehirn gespritzt wird. Ratten werden in einen Wasserbehälter gesetzt, aus dem sie nicht flüchten können, und gelten als depressiv, wenn sie zu schwimmen aufhören. Solche künstlich erzeugten Symptome haben nichts mit der Krankheit des Menschen, die sie simulieren sollen, gemein! Ob ein Mensch krank wird, hängt zudem von vielen Faktoren wie Genetik, Ernährung, Stress und Umfeld ab. Kein Wunder, dass trotz intensiver Tierversuche während der letzten 150 Jahre immer noch zwei Drittel aller Krankheiten beim Menschen nicht heilbar beziehungsweise deren Ursachen nicht bekannt sind.

Obwohl Tierversuche nie auf ihre Gültigkeit überprüft wurden, gelten sie seit Jahrzehnten als Goldstandard in der biomedizinischen Wissenschaft. Dabei is

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