Sozialprotokoll
»Ich habe ein Ohr für Klänge«
Als junger Mann sollte ich Mitte der 1960er-Jahre in den Vietnamkrieg eingezogen werden, so wie viele meiner Altersgenossen in den USA. Ich studierte damals Germanistik, erst an der University of California in Berkeley, dann über ein Austauschprogramm in Göttingen. Jeden Tag rechnete ich mit meiner Einberufung. Doch für mich stand fest: Ich schieße nicht auf Menschen. Weil ich gehört hatte, dass Schweden Amerikaner aufnahm, die sich dem Krieg verweigerten, fing ich an, Schwedisch zu lernen. Das Konsulat schickte mir Unterlagen zu, sogar eine Übersicht, wie viel staatliche Unterstützung ich am Anfang kriegen sollte. Doch es kam anders. Mein Antrag auf Befreiung vom Kriegsdienst aus ethischen Gründen wurde bewilligt. In dem Komitee, das darüber entschied, saß zufällig ein General, der meiner Heimatgemeinde in den USA angehörte. Dieser Mann setzte sich für mich ein, weil er meinen Vater schätzte. Einerseits war ich froh, andererseits fand ich das ungerecht. Viele andere junge Männer hatten nicht so viel Glück. Mein Vater war Pfarrer. Er stand immer hinter mir, auch als ich den Kriegsdienst verweigerte. Er war ein gebildeter Mann, der andere überzeugen konnte, ein Vorbild für viele. Sein Eintreten für den Frieden hat mich überzeugt. Wo auch immer ich war, habe ich Verbindungen zur Friedensbewegung aufgenommen, Resolutionen gegen Kriege unterzeichnet, demonstriert.
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