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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2017
Weisheit aus der Wüste
Das spirituelle Erbe der frühen Christen
Der Inhalt:

Ziemlich beste Feinde

von Thomas Seiterich vom 10.03.2017
Wie sich die Gegner von Papst Franziskus zerstreiten und ihn ausgerechnet Kardinal Müller mit einem Buch verteidigt

Es wird nicht ruhig um Papst Franziskus. Die Proteste von Konservativen an seinem Reformkurs werden schriller. Doch mit kühler Entschiedenheit gestaltet der Jesuit auf dem Stuhl Petri die Kirche um. Da die katholische Kirche eine Wahlmonarchie ist, deren Spitzenmann vollständige Macht besitzt, erfolgt die Revolution von oben. Vierundvierzig neue Kardinäle, die als unter Achtzigjährige zur Papstwahl berechtigt sind, sowie rund 700 Bischöfe hat Franziskus bereits ernannt – 15 Prozent des Weltepiskopats. Dabei kamen Kandidaten zum Zug, die seinem Profil entsprechen: eher keine Juristen oder Dogmatiker, sondern Gemeindeseelsorger und Gerechtigkeitsgeistliche. Die neuen Bischöfe tragen den »Geruch ihrer Schafe« an sich oder sie kennen ihn zumindest.

Vor Ort, etwa in der Großstadt Bologna, die jahrhundertelang zum Staat der Päpste zählte, ist der Bruch hart: Vom konservativen Kritiker des Papstkurses, Kardinal Carlo Caffarra, zu Matteo Zuppi, dem neuen, für Flüchtlinge engagierten Bischof. Zuppi stammt aus der römischen Basisgemeinschaft Sant’Egidio. In Ferrara vom Islamgegner Erzbischof Luigi Negri zu Giancarlo Perego, bisher Chef des Flüchtlingsdienstes der italienischen Bischöfe. In Palermo ernannte Franziskus den Antimafia-Pfarrer Corrado Lorefice zum Oberhirten. Und in Montevideo den Salesianer Daniel Sturla. Die neuen »Franziskus-Bischöfe« kommen relativ jung ins Amt. Sie werden für viele Jahre ihre Ortskirchen prägen.

Währenddessen findet in Rom der Protest gegen den Reformer Franziskus neue, teils krasse Formen (Publik-Forum 4/17): Hetzplakate gegen Franziskus und eine Fake-Ausgabe des Vatikanblattes Osservatore Romano. Außerdem gibt es in der Kurie und unter Altkardinälen diejenigen, die meist anonym agieren, jedoch ihre innere Kündigung bereits unterzeichnet haben. Sie laden konservative Journalisten, auch aus Deutschland, nach Rom ein und halten »vertrauliche« Kampfreden gegen Franziskus. Zur Loyalität gegenüber einem Reformpapst scheinen manche nicht imstande. Sie halten nur einem Papst nach ihrem Gusto die Treue. Die Verehrung der Franziskus-Kritiker gilt Altpapst Benedikt. Der promeniert in den Vatikanischen Gärten in einer weißen Soutane, so als sei er noch Papst. Ist es Gedankenlosigkeit? Absicht? Mit der Papstfarbe Weiß setzt Benedikt ein hochgradig verwirrendes Zeichen.

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