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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2017
Weisheit aus der Wüste
Das spirituelle Erbe der frühen Christen
Der Inhalt:

Pazifist im Feindesland

von Bettina Röder vom 10.03.2017
Clemens Ronnefeldt kämpft seit Jahren für den Frieden – und scheut auch nicht den Kontakt zu den Kriegstreibern

An diesem kalten Wintertag sitzt der Friedensreferent Clemens Ronnefeldt in seinem Büro in Freising. Doch wer sich darunter einen vorstellt, der vor allem Erklärungen schreibt und höchstens für eine Demo seinen Schreibtisch verlässt, der irrt. Der 56-Jährige mischt sich ein. Vor Ort und hautnah dort, wo Unfreiheit und Kriege Menschen bedrohen: in Syrien, Israel und Palästina, dem Libanon und Irak, in Ägypten und Jordanien. Zuletzt in der Türkei. Da war er mit den Ärzten gegen den Atomkrieg (IPPNW) für den Versöhnungsbund unterwegs.

Seit 25 Jahren ist er Friedensreferent beim deutschen Zweig des Versöhnungsbundes, der vor mehr als hundert Jahren von Christen gegründeten weltweiten Friedensorganisation. Seit 13 Jahren hat er sein Büro in Freising. Er bekennt sich zur Gewaltfreiheit und hat es darum oft nicht leicht. »Es bringt nichts, nur mit Leuten zu sprechen, die schon friedensbereit sind«, sagt er. Nicht immer klappt das. Erdogans AKP etwa wollte ihn und IPPNW während der Türkeireise nicht empfangen. In Cizre jedoch, in Südostanatolien, haben sie mit der Bürgermeisterin gesprochen. Sie wurde ihres Amtes enthoben, weil ihr Aufruhr unterstellt worden war. Drei Tage vor dem Besuch hatte die türkische Armee Teile der Stadt in Schutt und Asche gelegt. Die Delegation hat dennoch Fotos gemacht, sie veröffentlicht. »Da ging mir die Muffe«, sagt Clemens Ronnefeldt. »Wir mussten schauen, dass wir vom türkischen Militär nicht entdeckt wurden.« Ein Sprachrohr zu sein für die, die sich für Menschenrechte vor Ort einsetzen »und selbst nicht sprechen dürfen, das ist eine Aufgabe für uns hier«, sagt er. Wenn der Theologe von seinen so manches Mal gefährlichen Einsätzen spricht, fällt auf, dass er vor allem über andere, selten über sich spricht. Jüngst wurde er mit dem höchsten Preis für Friedens- und Konfliktforschung, dem Peter-Becker-Preis der Uni Marburg, ausgezeichnet.

Was aber treibt einen Menschen an, sich unermüdlich und seit 25 Jahren hauptberuflich für den Frieden zu engagieren? Clemens Ronnefeldt ist Christ, die Bergpredigt sein Maßstab. Geprägt haben ihn auch die Kriegserfahrungen seines Vaters. Der war Schlosser und Schmied, kam verwundet aus dem Zweiten Weltkrieg zurück. 17 Jahre alt war der Vater 1942, als Nazis ihn zum Krieg abholten.

17 Jahre alt war auch Clemens Ronnefeldt, als

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