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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2016
Gott suchen in Auschwitz?
Eine Begegnung mit Überlebenden
Der Inhalt:

»In der Mitte, nicht am Rand«

von Thomas Seiterich vom 11.03.2016
»Schwul und katholisch« – ein couragiertes Projekt feiert den Glauben

»Wir sind aus der vielgestaltigen Kirchenlandschaft in Frankfurt am Main nicht wegzudenken«, sagt Georg Linde. Er ist ein Sprecher des Projekts »Schwul und katholisch«. Im April tritt die »Gottesdienstgemeinschaft für Lesben und Schwule«, so die Selbstbeschreibung, an die breite Öffentlichkeit. Anlass ist das 25-jährige Bestehen der christlichen Basisinitiative, die 1991 mit viel kirchlicher Courage ihren Weg »von unten« begann. Sie war damals die erste deutsche Gottesdienst gemeinschaft, die wesentlich von katho lischen Homosexuellen getragen wurde.

Die Anfänge waren alles andere als einfach. Georg Linde erinnert sich: »Wir fanden Aufnahme in der Pfarrei Maria Hilf im Gallusviertel. Dort war die Befreiungstheologie zu Hause. Für uns engagierte sich von Anfang an Pfarrer Hans-Josef Wüst.« Aus der Solidarität des Anfangs sei im Lauf der vielen Jahre »eine stabile Freundschaft zur Gemeinde Maria Hilf« geworden. Zwei bis vier Dutzend homosexuelle Katholiken besuchen den Gottesdienst von »Schwul und katholisch«. Er findet stets am ersten Sonntag im Monat statt und beginnt um 18.30 Uhr. Es ist eine Messfeier, die mit viel Sinn für die Schönheit und Heiligkeit des Geschehens gefeiert wird. Die Priester, die diesen Gottesdienst leiten, wechseln sich ab. Sie kommen aus mehreren Bistümern.

Böse Nachrede und heftige Anfeindungen hatte das Projekt in seinen Anfangsjahren auszuhalten. Selbst der gesellschaftlich so aufgeschlossene Limburger Bischof Franz Kamphaus musste überzeugt werden. Konservative Gläubige zeigten den Bischof in Rom an wegen seiner Bereitschaft, die homosexuelle Gottesdienstgemeinde in seinem Bistum zu akzeptieren. Georg Linde sagt: »Als Kamphaus uns besuchte, war das Eis gebrochen.« Bei späteren Gemeindevisitationen in Frankfurt hat Bischof Kamphaus das Projekt »Schwul und katholisch« genauso besucht wie alle übrigen Pfarreien und Personalgemeinden der Stadt.

»Wir stehen längst nicht mehr am Rand, wir leben und bewegen uns mitten in der Kirche«, berichtet Linde: »Aus dem scharfen, jedoch ohnmächtigen Protest gegen die lehramtlichen Verhärtungen der Oberkirche gegen schwule Christen ist bei uns im Laufe der Zeit eine selbstbewusste Wiederaneignung des Glaubens geworden.« Theologisch – und gut lesbar – berichtet über diesen gemeinsamen Ermutigungsweg der langjährige Frankfurter Klinik- und Aids-Seelsorger Gregor Schorberger in seinem 2013 erschienen

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