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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2013
Wohin denn noch?
Abschied vom Wachstumswahn
Der Inhalt:

»Amazon ist nur die Spitze des Eisbergs«

von Andrea Teupke vom 08.03.2013
Wie kämpft man für mehr Gerechtigkeit in der Arbeitswelt? Fragen an den Betriebsseelsorger Erwin Helmer

Herr Helmer, Sie engagieren sich als Betriebsseelsorger für bessere Arbeitsbedingungen. Was stimmt Sie optimistisch?

Erwin Helmer: Die meisten Menschen wollen gerecht sein und haben ein soziales Bewusstsein. Wenn man ihnen die richtigen Informationen gibt, reagieren die Kunden sehr schnell. Hier in Augsburg wollte eine riesige Landbäckerei mit 3000 Beschäftigten mit einem Trick ihren Betriebsrat rausschmeißen. Das haben wir dann öffentlich gemacht, und die Firma musste reagieren. Auch Amazon erlebt das jetzt und will deshalb in allen Standorten Betriebsräte einrichten. Selbst ein so großer Konzern kann sich auf Dauer keine negativen Schlagzeilen leisten! Die Verbraucher können den Konzernen klarmachen, dass wir keine amerikanische »Hire-and-Fire«-Politik wollen. Es gibt einen schönen Satz in der Enzyklika Caritas in veritate: Das Einkaufsverhalten ist eine moralische Handlung. Solche Stellen sind leider ziemlich wenig bekannt.

Entdecken Sie Anzeichen von Widerstand?

Helmer:Viele Menschen merken, dass prekäre Arbeit einfach ungerecht ist und auf Dauer auch unsern Staat beschädigt. Das ist noch keine soziale Bewegung, aber es gibt doch viele Menschen guten Willens, die gemeinsam mit andern bei Firmen wie Amazon Solidaritätsnetze aufbauen. In diesen Teams sind oft Leute aus der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung, aus der Betriebsseelsorge, den Gewerkschaften und auch mutige Leiharbeiter aktiv.

Was macht so ein Solidaritätsteam?

Helmer: Zum Beispiel sollte bei Amazon in Augsburg die erste Betriebsratswahl stattfinden. Dazu muss man eine Betriebsversammlung abhalten, an der jeder teilnehmen kann. Also hat unsere Solidaritätsgruppe mit der zuständigen Gewerkschaft ver.di Flugblattaktionen gemacht: Wir haben in der Frühe um 6 Uhr und um 14 Uhr bei Schichtwechsel Flugblätter verteilt, um auf diese wichtige Versammlung hinzuweisen.

Wie haben die Menschen reagiert?

Helmer:Ganz überwiegend positiv. Die Betriebsratswahl wurde vor Weihnachten eingeleitet, da waren die Hälfte der Beschäftigten Ausländer aus Ungarn, Polen, aus dem Iran, dem Irak und aus Afrika. Die meisten haben gesagt: Ja, das is

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