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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2013
Wohin denn noch?
Abschied vom Wachstumswahn
Der Inhalt:

»Amazon ist nur die Spitze des Eisbergs«

Wie kämpft man für mehr Gerechtigkeit in der Arbeitswelt? Fragen an den Betriebsseelsorger Erwin Helmer

Herr Helmer, Sie engagieren sich als Betriebsseelsorger für bessere Arbeitsbedingungen. Was stimmt Sie optimistisch?

Erwin Helmer: Die meisten Menschen wollen gerecht sein und haben ein soziales Bewusstsein. Wenn man ihnen die richtigen Informationen gibt, reagieren die Kunden sehr schnell. Hier in Augsburg wollte eine riesige Landbäckerei mit 3000 Beschäftigten mit einem Trick ihren Betriebsrat rausschmeißen. Das haben wir dann öffentlich gemacht, und die Firma musste reagieren. Auch Amazon erlebt das jetzt und will deshalb in allen Standorten Betriebsräte einrichten. Selbst ein so großer Konzern kann sich auf Dauer keine negativen Schlagzeilen leisten! Die Verbraucher können den Konzernen klarmachen, dass wir keine amerikanische »Hire-and-Fire«-Politik wollen. Es gibt einen schönen Satz in der Enzyklika Caritas in veritate: Das Einkaufsverhalten ist eine moralische Handlung. Solche Stellen sind leider ziemlich wenig bekannt.

Entdecken Sie Anzeichen von Widerstand?

Helmer:Viele Menschen merken, dass prekäre Arbeit einfach ungerecht ist und auf Dauer auch unsern Staat beschädigt. Das ist noch keine soziale Bewegung, aber es gibt doch viele Menschen guten Willens, die gemeinsam mit andern bei Firmen wie Amazon Solidaritätsnetze aufbauen. In diesen Teams sind oft Leute aus der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung, aus der Betriebsseelsorge, den Gewerkschaften und auch mutige Leiharbeiter aktiv.

Was macht so ein Solidaritätsteam?

Helmer: Zum Beispiel sollte bei Amazon in Augsburg die erste Betri