Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2013
Wohin denn noch?
Abschied vom Wachstumswahn
Der Inhalt:

Stille Katastrophen

Nur jede zehnte Katastrophe findet den Weg in die Öffentlichkeit. Warum? Fragen an den Rot-Kreuz-Experten Christof Johnen

Herr Johnen, was ist eine Katastrophe

Christof Johnen: Die geeignetste Definition scheint mir die der UN zu sein. Sie geht nicht von bestimmten Opferzahlen aus, sondern beschreibt ein Ungleichgewicht, das nach einer Krise oder einem Unglück vorherrscht: Wenn die Differenz zwischen den vorhandenen Fähigkeiten und Ressourcen und dem, was tatsächlich getan werden müsste, so groß ist, dass eine Gesellschaft längere Zeit nicht funktionieren kann, spricht man von einer Katastrophe.

Was war der Auslöser für die Kampagne »Stille Katastrophen«, die gerade startete?

Johnen: Das Rote Kreuz beobachtet seit Jahren, dass über bestimmte Katastrophen in den Medien überproportional berichtet wird – und dass andere, die teilweise dramatische Auswirkungen haben, keinen Weg in die Öffentlichkeit finden. 2011 gab es weltweit 363 Naturkatastrophen. Davon gerieten bestenfalls zehn Prozent in den öffentlichen Fokus. Dieses Phänomen war für uns der Anlass, gemeinsam mit der Europäischen Union diese Kampagne ins Leben zu rufen. Sie findet europaweit in elf Ländern statt.

Können Sie ein Beispiel geben?

Johnen: Ich erinnere mich gut an den Herbst 2008, das ist die typische Hurrikan-Saison in der Karibik. In Haiti kamen in diesem Jahr über 800 Menschen ums Leben. Das Rote Kreuz war mit einer Gesundheitsstation vor Ort. Doch das wurde von den westlichen Medien kaum beachtet. Erst als die Wirbelstürme an die Südküste der USA weiterzogen, wurden Bilder gezeigt – obwohl sie dort kaum Schaden anrichteten.

Weshalb ist es für manche Regionen so schwer, in die