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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2013
Wohin denn noch?
Abschied vom Wachstumswahn
Der Inhalt:

»Die Überlastung hat System«

Leistungsdruck und Lohndumping: Die Arbeitsbedingungen werden schlechter. Doch noch halten die Menschen still

Auch wenn jetzt immer neue Details bekannt werden, wie der amerikanische Internethändler seine Arbeiter ausbeutet: Amazon hat kein Monopol auf schlechte Arbeitsbedingungen. Ob man Betriebsseelsorger fragt oder Gewerkschaftler, Sozialwissenschaftler oder einfache Arbeitnehmer: Sie alle berichten von steigenden Anforderungen, lückenloser Überwachung, unmenschlichen Arbeitszeiten und unerfüllbaren Zielvorgaben.

Wer sich umhört, erfährt vom Knochenjob im Sortierzentrum eines Paketdienstes, wo fast nur noch Teilzeitkräfte beschäftigt werden – weil kaum jemand das mörderische Tempo einen ganzen Tag lang aushält. Man erfährt von Lagerarbeitern, die 25 Kilometer am Tag laufen müssen, auf Betonboden und in unbequemen Sicherheitsschuhen, und von der Anleiterin im Callcenter, die neue Mitarbeiter gleich aufklärt: »Das geht an die Substanz.«

Hauptsache Arbeit, egal welche

Heiner Dribbusch von der Hans-Böckler-Stiftung berichtet von Wachleuten, die bis zu 300 Stunden im Monat arbeiten, weil ihr Lohn sonst nicht reicht. Erwin Helmer, Betriebsseelsorger in Augsburg, erzählt von einer Amazon-Mitarbeiterin, die fünfzehn Tage am Stück arbeiten musste. Dieter Sauer, der als Professor am Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (IFS) in München seit Jahren die Entwicklung der Arbeitswelt untersucht, stellt fest: »Systematische Überlastung ist kein Fehler im System, sondern hat selbst System.«

Warum haben sich die Arbeitsbedingungen derartig verschlechtert? Weil die politische Losung seit über zehn Jahren lautet: »Hauptsache Arbeit«. Egal wie schlecht bezahlt oder mies ausg