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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2012
Ich glaube
Der Konflikt um das Bekenntnis der Christen
Der Inhalt:

Fukushima und das Prinzip Wa

von Thomas Seiterich vom 04.05.2012
Wo steht Japan politisch, spirituell und religiös ein Jahr nach der Atomkatastrophe? Fragen an die japanische Theologin und Gesellschaftswissenschaftlerin Haruko K. Okano

Publik-Forum:In Japan gab es nach der Atomreaktorkatastrophe von Fukushima 2011 keine Großdemonstrationen wie in Europa, keinen Atomausstieg wie in Deutschland, keine riesige Protestbewegung. Wie verändert die Katastrophe Japans Gesellschaft?

Haruko K. Okano: Es gab tatsächlich bis zum letzten Sommer kaum Protestbewegungen in Japan. Denn wir waren monatelang nicht richtig über die Atomkatastrophe informiert! Es klafften Abgründe zwischen den dürftigen Informationen innerhalb Japans und den Nachrichten aus der Welt. Unsere Regierung, die Behörden, das Atomkraft-Komitee, der Konzern Tepco sowie fast alle japanischen Medien haben uns nur in begrenzter Weise informiert. Sie befürchteten wohl die Ausbreitung einer Panik in der Bevölkerung. – Offenkundig wussten nicht viele Japaner, dass sich auf unsrer engen Insel 54 AKWs befinden. Nur langsam wurden wir uns dessen bewusst, dass die Atomkatastrophe durch menschliche Planungsfehler verursacht ist. Wir durchschauten erst spät, wie sehr Japans Regierung und Wirtschaft die Atomkraft als Symbol für die japanische Friedens- und Industriepolitik verwendeten.

Welche Ressourcen hat Japan, um die Katastrophe und ihre Folgen zu meistern?

Okano: Die Japaner sind es seit alters her gewohnt, mit und in der Natur auch im Katastrophenfall so friedlich und harmonisch zu leben wie in den gewohnten zwischenmenschlichen Beziehungen. Die stark auf sich selbst bezogene Inselnation Japan hat angesichts dieser unbeschreiblichen Katastrophen wie nie zuvor die Wärme, Stärke und Würde aller Menschen kennengelernt, durch die Hilfen aus aller Welt. Jetzt gilt es, sich der Frage zu stellen: Welche Wende in unserer japanischen Kultur ist notwendig?

Wie verändert sich die öffentliche Meinung?

Okano: Im September waren 52,5 Prozent aller repräsentativ Befragten für das Ende der Atomkraftnutzung. Asahi, die größte Zeitung Japans, sowie die Religionen votieren für den Ausstieg. Doch die Mächtigen in Wirtschaft und Politik wollen mit den AKWs weitermachen. Der Normalverbraucher hatte in Japan dank der harten Elektrizitäts-Sparmaßnahmen 2011 einen sehr heißen Sommer ohne die gewohnte Klimaanlage zu erdulden. Die Leute haben sich brav gefügt. Nun vertreten viele Bürger

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