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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2011
Kein Gott, nirgends?
Stephen Hawkings Theo-Physik
Der Inhalt:

Chronisch kranke Kirche

von Norbert Copray vom 29.04.2011
Ein Handbuch: Diagnose und Therapie des römischen Systems

Hans Küng Ist die Kirche noch zu retten? Piper. 260 Seiten. 18,95 €

»Die katholische Kirche ist ernsthaft krank. Sie leidet unter dem römischen Herrschaftssystem, das sich im Laufe des zweiten Jahrtausends gegen alle Widerstände etabliert und bis heute durchgehalten hat.« So die Diagnose des Weltethos-Theologen und katholischen Priesters Hans Küng, der nunmehr seit fünfzig Jahren ein ebenso kritischer wie engagierter und konstruktiver Begleiter seiner Kirche ist. Der Befund umfasst die innere Ausstattung des römischen Herrschaftssystems: das Macht- und Wahrheitsmonopol, das zwischen Wahrheit und Macht nicht unterscheidet; die kirchliche Verrechtlichung und den Klerikalismus; die Sexual- und Frauenfeindschaft sowie die »geistlich-ungeistliche Gewaltanwendung«.

Küngs Neuerscheinung passt genau zum Theologen-Memorandum »Kirche 2011: Ein notwendiger Aufbruch«. Zusammengenommen wirken die Aktionen, Bücher und Artikel in diesem Frühjahr wie ein letztes Aufbäumen der kritisch-konstruktiven Opposition gegenüber dem römischen Herrschaftssystem in der Kirche. Ändert sich nichts oder werden nur Scheindialoge geführt, denen mal wieder nichts folgt, was den Gläubigen am Herzen liegt, dann werden wohl mehr als die 250 000 Mitglieder des letzten Jahres die Kirche verlassen. Hans Küng hätte lieber ein anderes Buch geschrieben. Aber er sieht sich durch den desaströsen Zustand seiner Kirche, die vergeblichen Reformbemühungen der kritisch-konstruktiven Opposition, das Zurückdrehen von Reformen vor das Zweite Vatikanische Konzil, die vieltausendfachen Missbrauchsfälle weltweit und ihre systematische Vertuschung sowie durch die anhaltende Demokratie-, Fortschritts- und Freiheitsfeindlichkeit der Kirche dazu genötigt.

Dazu liefert er eine profunde Diagnose nicht nur der kirchlichen Krankheitssymptome, sondern auch ihrer Ursachen und Voraussetzungen. Er sieht eine chronische Krankheit mit entsprechender Verhärtung und passendem Selbst- und Fremdbetrug. Küng beschreibt die damalige Rettungsaktion durch das Konzil der Jahre 1962-1965, die von Päpsten und Kurie im Nachgang sabotiert und hintertrieben wurde. Und er bietet eine »ökumenische Therapie« an, damit aus der römisch-katholischen Kirche ein wahrer Leuchtturm des christlichen Glaubens und der Christenheit werden könnte. Denn das ist und bleibt sein Maßstab: »der in der B

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