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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2020
Mahlzeit!
Mikroplastik – die allgegenwärtige Gefahr
Der Inhalt:

Liebe kellnernde Personen!

vom 28.02.2020
Kolumne von Katharina Müller-Güldemeister:

Was die gendergerechte Sprache angeht, fühle ich mich der Kategorie »alter, weißer Mann« zugehörig. Ich hasse all die Sternchen, Schrägstriche, Unterstriche und großgeschriebenen Is mitten im Wort, weil sie die Sprache sperrig und unübersichtlich machen. Selbst einfache Sätze verwandeln sich durchs Gendern in sprachlichen Müll, etwa: Ich bin auf der Suche nach einem*r guten*r Zahnärzt*in. Abgesehen davon, dass Vorleseprogramme daraus »Ich bin auf der Suche nach einem-Stern-r guten-Stern-r Zahnärzt-Stern-in« machen, heißt die männliche Form eben nicht »Zahnärzt«.

Weil ich kein alter, weißer Mann bin, sondern eine junge Frau, stellt mich das Thema vor ein Dilemma. Denn natürlich bin ich für die Gleichberechtigung der Geschlechter. Und tatsächlich fühle ich mich von Stellenanzeigen ein bisschen mehr angesprochen, in denen durch den Zusatz (m/w/d) deutlich gemacht wird, dass alle Geschlechter gemeint sind und nicht nur Männer.

Im Alltag tun mir die Sprachblüten des Genderns allerdings zu sehr in den Augen weh, als dass ich mich damit anfreunden könnte. In einer Internetgruppe, über die in meinem Stadtviertel Dinge verschenkt und Informationen ausgetauscht werden, lese ich zum Beispiel Sätze wie: »Hat jemensch Umzugskartons übrig?« Oder: »Kann frau eine Gynäkologin empfehlen?« Wann, frage ich mich da, werden Wörter wie Mannequin und Schmand ausgedient haben?

Dafür mache ich innerlich einen Sekt auf, wenn Leute, die sonst alles gendern, es dann bei gewissen Wörtern vergessen. Da ist etwa von Faschisten die Rede, aber nicht von Faschistinnen, die es ja auch gibt. Gleichbehandlung sieht anders aus, Freundch*innen!

Leider ist das Ganze nicht mehr zu ignorieren. Darüber lachen wie noch vor sechs Jahren, als Genderprofessorin Lann Hornscheidt vorschlug, statt Student und Studentin »Studierx« zu sagen, kann ich auch nicht mehr. In meiner Unsicherheit schreibe ich in Sammel-E-Mails mittlerweile komische Anreden wie »Hallo, liebe alle«. Denn ich fürchte mich zunehmend davor, dass sich jemensch auf den Schlips getreten fühlen könnte, und die *-, /-, _- und Binnen-I-Varianten verweigern mir meine Finger. Manchmal schreibe ich so was wie »Liebe Kolleginnen und Kollegen« und dass ich im Folgenden das generische Maskulinum verwende, aber natürlich alle meine. Doch das finde ich auch sehr gewollt.

Meine genderbewusste Mitbewohnerin is

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