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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2018
Gott und die Frauen
Das Erbe der Feministischen Theologie
Der Inhalt:

Wenn das Ohr heiß wird

von Matthias Becker vom 23.02.2018
Handy, Bluetooth, WLAN: In unserem Alltag sind wir immer größeren Strahlendosen ausgesetzt. Bleibt das ohne Folgen für die Gesundheit?

Ein italienisches Arbeitsgericht sorgte im April vergangenen Jahres für Aufsehen. Der 56-jährige Fernmeldetechniker Roberto Romeo, der in der Nähe der Stadt Turin lebt, hatte auf Anerkennung seiner Hörschädigung als Berufskrankheit geklagt. Zwischen 1995 und 2010 arbeitete Romeo für eine Telefongesellschaft und koordinierte mit seinem Handy die Einsätze der Techniker des Unternehmens. »Über vier Stunden jeden Tag« drückte er bei der Arbeit sein Diensthandy ans Ohr. Als im Jahr 2010 sein linkes Ohr plötzlich taub wurde, stellten die Ärzte ein gutartiges Geschwür des Hörnervs fest. Seit es entfernt wurde, hat Romeo einen Teil seines Hörvermögens verloren. Die Richter sprachen ihm deshalb eine Rente wegen Berufsunfähigkeit zu. Die Nachricht verbreitete sich in ganz Europa. »Verursacht Mobiltelefonie doch Krebs?«, fragte beispielsweise ein britisches Magazin.

Berichte wie dieser bestärken die Kritiker der zunehmenden Belastung durch elektrische und magnetische Felder. Sie warnen nicht nur vor Mobiltelefonie und vor Handymasten. Telefone sind heute in der Regel schnurlos, Computerdaten werden mit WLAN oder Bluetooth übertragen, Haushaltsgeräte immer häufiger über Funksignale miteinander verbunden. Mit Smart Meters wird etwa der Strom- oder Wasserverbrauch per Funk an den Anbieter übertragen. Im Alltag sind wir immer höheren Strahlendosen auf verschiedenen Frequenzen ausgesetzt. Können sie wirklich folgenlos bleiben?

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Unterorganisation der WHO, stufte im Jahr 2011 mit Blick auf Hirntumore elektromagnetische Felder als möglicherweise krebserregend ein. Andere Mediziner kritisierten allerdings diese Einschätzung und wiesen darauf hin, dass kein robuster Nachweis über Gesundheitsschäden erbracht worden sei – wenigstens nicht, sofern die Dosis unterhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte bleibt.

Das sehen etliche Menschen anders. Knapp zwei Prozent der Deutschen geben an, unter Mobilfunkstrahlung zu leiden. Sie bezeichnen sich als elektrosensibel oder -hypersensibel und machen die Strahlenbelastung für Schlaf- und Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme verantwortlich. Dem Mainstream der Forschung begegnen die Elektrosmog-Kritiker mit Misstrauen. Von »Auftragsforschung« und »Gefälligkeitsgutachten« ist die Rede. Und es stimmt ja: Schärfere Grenzwerte würden die Sma

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