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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2018
Gott und die Frauen
Das Erbe der Feministischen Theologie
Der Inhalt:

VORGESPRÄCH: Jesus, Bach und Moltke

Der Jesuit Klaus Mertes hat die Johannes-Passion von Bach mit Zeugnissen aus dem Widerstand gegen Hitler ergänzt

Publik-Forum: Pater Mertes, wie sind Sie auf die Idee gekommen, die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach mit Texten der von den Nazis hingerichteten Widerstandskämpfer zu kombinieren?

Klaus Mertes: Tatsächlich stammt die Idee von dem Regisseur Till Krabbe. Er wurde gebeten, eine szenische Aufführung der Johannes-Passion zu entwerfen. Weil er wusste, dass ich mich jahrelang mit den Prozessen gegen Alfred Delp und Helmuth James von Moltke befasst habe, bat er mich, geeignete Zitate auszuwählen.

Passt das denn zusammen?

Mertes: Unbedingt! Ein Beispiel: Der Prozess gegen Moltke vor dem Volksgerichtshof 1945 in Berlin hat eine frappierende Ähnlichkeit mit der Konfrontation zwischen Jesus und Pilatus. Im Johannes-Evangelium fragt Pilatus Jesus: »Bist du ein König?«, und Jesus antwortet: »Ja, ich bin ein König.« Roland Freisler, der Präsident des Volksgerichtshofes, brüllt Moltke an, und Moltke schreibt an seine Frau: »Sein Kopf wurde so rot wie seine Robe, da konnte ich nicht umhin, als zu lächeln.« Das finde ich königlich: Vor dem mächtigen Richter zu stehen und dessen Lächerlichkeit zu erkennen – das ist eine wunderbare Interpretation dieses Satzes.

Was passiert genau bei der Aufführung?

Mertes: Die Johannes-Passion von Bach wird immer wieder an bestimmten Stellen unterbrochen, und dann sprechen Schauspieler Originaltexte aus den Briefen und Tagebüchern von Moltke und Delp. Ganz wichtig ist dabei der Sänger des Pilatus, der sowohl den Pilatus singt als auch Texte des Richters Roland Freisler spricht und auch das Geschrei des Volkes übernimmt.