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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2017
Wer ist Herr im Hirn?
Der Streit um den freien Willen
Der Inhalt:

Schlecht und teuer

Der Zustand des Nahverkehrs offenbart politisches Versagen

Eine Fahrt von einem Frankfurter Vorort in die Innenstadt und zurück – Entfernung einfach etwa zwanzig Kilometer – kostet für zwei Personen 16,40 Euro. Für einen Ausflug nach Mainz – Entfernung etwa fünfzig Kilometer – werden 32,80 Euro fällig, der Fahrpreis für Kinder nicht mitgerechnet. Für dieses Geld kann man in zentraler Lage lange parken, zumal viele Geschäfte sich an Parkkosten beteiligen, wenn man bei ihnen einkauft. Eine Studie der Zeit hat herausgefunden, dass die Preise für den Nahverkehr in Deutschland in den letzten zehn Jahren inflationsbereinigt um 13 Prozent, für Dauerkartenbesitzer sogar um 18 Prozent angestiegen sind, das Parken dagegen um 1,5 Prozent billiger geworden ist. Nun kann man einwenden, dass Autofahren unterm Strich immer noch teurer ist, wenn man Anschaffungskosten, Sprit, Reparaturen und Versicherung mit einrechnet. Das stimmt. Dennoch ist es eine verkehrspolitische Bankrotterklärung. Obwohl Städte im Feinstaub ersticken, unternimmt die Politik nichts. Als jedoch Autokonzerne Absatzprobleme hatten, wurden milliardenschwere Kaufanreize gesetzt – Stichwort Abwrackprämie. Welch eine Ironie!

Dass es anders gehen könnte, beweist die Stadt Wien. Parallel zur Ausweitung von Fußgängerzonen und zur Erhöhung von Parkgebühren haben die Grünen ein Jahresticket für 365 Euro durchgesetzt: einen Euro pro Tag für beliebig viele Fahrten in dem großen Ballungsraum. Mit Erfolg: 733 000 Tickets wurden verkauft, 39 Prozent der Menschen, die in Wien unterwegs sind, nutzen Busse und Bahnen, nur noch 27 Prozent bevorzugen das Auto.

Viel ist möglich, wenn man will. Ein teurer Nahverkehr bietet jedoch keinen Anreiz, über sein Verkehrsverhalten auch nur nachzudenken,