Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2012
Ende eines Traums?
Die Zukunft der arabischen Revolution
Der Inhalt:

»Steh auf für Gerechtigkeit«

von Johanna Jäger-Sommer vom 04.05.2012
Christinnen weltweit schauen am 2. März auf Malaysia

Eigentlich ist die aus vielen Ethnien und Religionszugehörigkeiten bestehende malaysische Gesellschaft sehr offen für andere Religionen und Kulturen. So jedenfalls hat es die Sozialwissenschaftlerin und Südostasien-Expertin Saskia Schäfer aus Berlin selbst vor Ort erfahren. Zum Beispiel gibt es die Tradition des »Open-House«: Wenn eine der Volksgruppen ein Fest feiert – sei es das chinesische Neujahrsfest, das Ende des muslimischen Ramadan oder das christliche Osterfest –, so stehen die Türen den Nachbarn anderer Religionszugehörigkeiten offen. Eine schöne Tradition.

Doch leider spielt die Regierung des Vielvölkerstaates Malaysia die einzelnen Gruppen gegeneinander aus; die sechzigprozentige Bevölkerungsmehrheit der muslimischen Malaien wird im Zuge der New Economy Policy bevorzugt. Auch die Religionen werden zur Spaltung der Gesellschaft instrumentalisiert: So wurde 2007 dem katholischen Wochenblatt Herold, das in der malaysischen Landessprache erscheint, verboten, den christlichen Gott als »Allah« zu bezeichnen; dies sei ausschließlich dem Islam vorbehalten. Damit wollte die Regierung verhindern, dass die Muslime eine zu große spirituelle Nähe zu den Christen spüren könnten, die sich mit ihren neun Prozent Bevölkerungsanteil nicht sehr machtvoll wehren können. So kam es tatsächlich in der Folge zu Angriffen auf Kirchen.

Wie wenig der Allah-Streit religiös fundiert ist, zeigt die Tatsache, dass die islamische Oppositionspartei dem Verbot widerspricht: »Alle monotheistischen Religionen dürfen den Namen ›Allah‹ verwenden.« Diese Partei wirkt jung und modern – im Gegensatz zur korrupten, ebenfalls islamischen Regierungspartei.

Die Frauen spüren die größten Nachteile der Situation in Malaysia. So ist das Motto des diesjährigen Weltgebetstags – »Steh auf für Gerechtigkeit« – besonders auf die Veränderung ihrer Situation ausgerichtet. Denn obwohl die meisten einen guten Bildungsstand haben und berufstätig sind, sollen sie nun wieder – unter dem Vorzeichen öffentlicher Moral-Debatten – in ihrer Freiheit beschnitten werden, vor allem die Musliminnen. Dagegen wenden sich feministische Frauengruppen wie die Sisters in Islam. Mitglieder sind auch Männer. »Das kannte ich von meinen Studium in Deutschland nicht«, staunt Saskia Schäfer, »dass sich auch Männer für feministische Ziele ein

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen