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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2012
Ende eines Traums?
Die Zukunft der arabischen Revolution
Der Inhalt:

»Überdenkt eure Theologie«

von Katja Dorothea Buck vom 04.05.2012
Kairos Palästina: Mitri Raheb, lutherischer Befreiungstheologe aus Bethlehem, bohrt bei Christen in Deutschland dicke Bretter

Vor gut zwei Jahren veröffentlichten 15 prominente palästinensische Christen aus verschiedenen Kirchen einen großen Hilfeschrei, ein detailreiches Dokument über ihre seit 1967 währende Notlage. An dieser Kairos-Palästina-Erklärung erhitzen sich die Gemüter in deutschen Kirchen und Theologenkreisen. Mitri Raheb, international bekannter lutherischer Befreiungstheologe und Mitautor von Kairos Palästina, war soeben auf Deutschlandtour. Raheb will den Text erklären. »Die Deutschen brauchen Zeit, um die neuen Töne aus Palästina wahrzunehmen«, resümiert er seine Erfahrungen.

Es sind tatsächlich neue Töne, die im Dezember 2009 unter dem vollen Titel »Die Stunde der Wahrheit – Ein Wort des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung aus der Mitte des Leidens der Palästinenser und Palästinenserinnen« angeschlagen wurden. Die zentrale Frage lautet: Welche Antworten gibt der christliche Glaube auf die israelische Besatzung?

»Glaube, Hoffnung und Liebe«, so lautet knapp zusammengefasst die Antwort. Vordergründig mag das banal klingen. Im palästinensischen Kontext sind »Glaube, Liebe, Hoffnung« jedoch revolutionär. Denn wer über mehr als vier Jahrzehnte Hass, Gewalt und Unmenschlichkeit – auf beiden Seiten – erlebt hat, kann den Glauben verlieren, sieht vielleicht auch keinen Grund für Hoffnung mehr. Und wer – wie die palästinensischen Christen – in diesem festgefahrenen Konflikt von »Feindesliebe« spricht, riskiert eine Menge. Vor fünf Jahren hätte eine solche Aussage in Palästina noch den lebensgefährdenden Vorwurf der »Kollaboration mit Israel« eingebracht.

Kairos Palästina richtet sich nicht nur an die Christen in Palästina. Das Dokument ist auch ein Hilfeschrei, ein Aufruf an die Schwestern und Brüder in aller Welt, die Palästinenser in ihrem gewaltfreien Widerstand gegen die israelische Besatzung zu unterstützen. Genau damit tun sich aber viele in deutschen Kirchen- und Theologenkreisen schwer. Insbesondere die Vertreter des christlich-jüdischen Dialogs üben harsche Kritik an dem Dokument. Sie werfen den Autoren von Kairos Palästina eine übertriebene Darstellung der Not vor sowie ein fragwürdiges, wenn nicht sogar falsches Theologieverständnis. Knackpunkt ist für sie das Verständnis von Israel, dem auserwählten Volk Gottes. An dem komme niemand vorbei, postulieren sie.

Die Erwählung Israels. K

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