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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2019
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Der Inhalt:

Kleines Senfkorn Hoffnung

Schon wieder ein kirchlicher Reformappell. Was diesmal anders ist

In einem Offenen Brief an den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz (Wortlaut Seite 9) haben neun prominente Katholiken – Frauen und Männer aus Wissenschaft, Politik und Theologie – Reformen angemahnt. Statistisch gesehen, tendiert die Chance auf Erfolg gegen Null. Das Kirchenvolksbegehren liegt fast 25 Jahre zurück, die »Kölner Erklärung« jährt sich zum 30. Mal, die »Würzburger Synode« kennen die meisten bestenfalls aus Erzählungen. Der plakative Aufschrei der Basis, die detaillierte Kritik der Professoren, die gemeinsamen Erörterungen von Bischöfen und Laien – alles verlief mehr oder weniger im Sande. Bislang obsiegten stets die Kritiker der Kritiker mit ihrer Behauptung, der innerkatholische Dauerstreit sei lediglich eine Nabelschau. Schaut zur evangelischen Kirche, sagen sie. Sie kennt Synoden und Frauenpriestertum – treten deshalb weniger Menschen aus? Schaut zu den Anglikanern: Sie haben Homosexuelle in höchsten Ämtern – und sind darüber heillos zerstritten. Ergo könne dies kein Vorbild für Reformen sein.

Doch der Missbrauchsskandal hat die Fronten des Debattenstellungskriegs verschoben. Deutlich wurde, dass es systemische Ursachen gibt, die teils in der »DNA der Kirche« eingeschrieben sind, wie es der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer zu formulieren wagt. Selbst der Papst hat den Klerikalismus – und nicht etwa die Sexualität – als Ursünde des Missbrauchs ausgemacht. Immer mehr Bischöfe sind der Meinung, dass nicht die böse Welt oder der liberale Zeitgeist einen Krieg gegen die Kirche führt, sondern die Institution verlernt hat, den Gottesglauben zeitgemäß und plausibel zu verkündigen. Wenn ein Bischof Eugen Drewermann einen »verkannten Propheten« nennt und andere die strukturelle Ungerechtigkeit gegen Frauen