Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2019
Die Spenden-Optimierer
»Effektive Altruisten« unterstützen Projekte nur nach strengem Kalkül. Sinnv
Der Inhalt:

Gemeinwohl in Gefahr

von Britta Baas vom 08.02.2019
Wer bei Tempolimit, Abgaswerten oder Energiewende nur an sich denkt, versteht die Freiheit falsch

Die einen wollen partout kein Tempolimit auf Deutschlands Straßen. Die anderen keine Windräder in »ihrem« Wald. Die Dritten finden Stickoxid-Grenzwerte eine lächerliche Sache: »Bisher ist doch auch keiner an seinem Dieselauto verreckt!« Güter ganz nach Gusto und Geldbeutel zu kaufen, soll ein Recht für jedermann sein, bitte ohne Grenzen: »Das ist die Freiheit, die wir meinen!«

Dass immer mehr Bürgerinitiativen in Deutschland für immer mehr solcher Partikularinteressen kämpfen, ist ein Problem. Der Parteiendemokratie wird nicht mehr zugetraut, dass sie die Bürgerinnen und Bürger vertritt. Warum noch wählen, wenn man doch eine Bewegung gründen kann? Warum warten bis zum nächsten Urnengang, wenn doch hier und jetzt die Wohnbebauung der Felder droht, auf die ich bis jetzt aus meinem Wohnzimmerfenster schaue? Warum sich fragen, was dem Großen und Ganzen dienlich ist – wenn mein eigener Wohlfühlfaktor leidet? Und ein Stück an meiner eigenen Freiheit künftig zu fehlen droht?

Um eines klarzustellen: Bürgerbewegungen sind nicht selten eine gute Sache. Sie treiben voran, was im politischen Alltagsgeschäft durch allzu langsame Mühlen geht. Ohne den sichtbaren Willen von Bürgerinnen und Bürgern, ohne ihre Kreativität und ihren Widerstandsgeist gäbe es wahrscheinlich kein grünes Bewusstsein in Deutschland. Es gäbe keine Wahrnehmung von Bevölkerungsschichten, die ohne Lobby sind – und keine Konzepte für Interessenausgleich und akute Lösungen.

Doch Bewegungen und Initiativen fehlt häufig die Orientierung am Gemeinwohl, wenn sie ihre Partikularinteressen verabsolutieren. Wenn sie nicht mehr fragen: Wem nützt es – außer mir? Außer uns Bewegten? Das Streben nach Freiheit – oft genug verstanden als eigener Wohlfühlfaktor – hat Grenzen, wo dieses Streben andere empfindlich trifft. Diese Erkenntnis, schon von den alten Griechen für ihre junge Demokratie reklamiert, bedeutet, die Polarität von Freiheit und Maß nie aus den Augen zu verlieren. Interessanterweise setzte die frühe griechische Städte-Demokratie den Begriff »Freiheit« mit dem der »Heimat« gleich. Gemeint war damit »der Bereich, wo einer sein und bleiben kann«. Frei war, wer in der Stadt leben durfte. Denn dort galt ein Maß der Freiheit, das durch Recht beschränkt war. Und dieses Recht orientierte sich am Gemeinwohl.

Lernen lässt sich daraus, dass langfristig individuell am glücklichsten ist, wer sich

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen