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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2019
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Der Inhalt:

Angst vor neuer Gewalt

Mary Rafferty und Kathleen Connolly leben an der irisch-irischen Grenze. Sie fürchten den Brexit

Mary Rafferty ist die Queen von Drummully, sagen ihre Nachbarn. Sie selbst lacht darüber. Die weißhaarige 72-Jährige ist in Drummully geboren und hat ihr ganzes Leben dort verbracht. Drummully ist quasi eine Exklave der Republik Irland, die wie eine Ausbuchtung nach Nordirland hineinragt. An der schmalsten Stelle zwischen Drummully und der Republik Irland fließt der Fluss Finn. Kein Durchkommen. Wer nach Drummully will, muss durch Nordirland fahren. Derzeit ist das kein Problem und die Grenze unsichtbar. Doch was passiert nach dem Brexit, wenn diese Grenze zur EU-Außengrenze wird? Flammt dann der Nordirland-Konflikt wieder auf?

Rafferty hat Angst, dass es nach dem Brexit Grenzkontrollen geben wird und die Gewalt wieder ausbricht. Sie ist Witwe. Einer ihrer Söhne lebt in Nordirland, hat aber ein Geschäft im südirischen Cavan. Der andere arbeitet in Dublin. In ihrer kleinen Küche brennt ein Feuer im eisernen Herd, der den Raum wärmt. Ihre Freundin Kathleen Connolly ist zu Besuch gekommen, Rafferty hat Tee aufgebrüht. Sie erzählt von früher, als die Gegend ein Schmugglerparadies war. »Als Kinder mussten wir die Eier unserer Hühner in Körben über die Gleise tragen und in ein Feld laufen«, erinnert sie sich. »Dort übergaben wir sie einem Verwandten, der sie in Nordirland verkaufte.« Es klinge zwar komisch, sagt ihre Freundin Connolly, »aber es waren schöne Zeiten früher, bis der Nordirland-Konflikt Ende der 1960-Jahre ausbrach«.

Der Sommer 1969 war in Nordirland von schweren Auseinandersetzungen geprägt. Die Bürgerrechtsbewegung hatte gleiches Wahlrecht sowie gerechte Wohnungs- und Jobvergabe gefordert. Bis dahin durften bei Kommunalwahlen nur Hausbesitzer wählen, und da