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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2018
Was ist der Mensch wert?
Der Preis des Lebens und die Würde des Menschen
Der Inhalt:

Landeplatz für die Seele

von Anja Boromandi vom 09.02.2018
Asyl, Rückführung, Obdachlosenhilfe und Gottesdienste: Unterwegs mit den Seelsorgern am Münchner Flughafen

Lange geschlafen hat Stefan Fratzscher letzte Nacht nicht. Um 6.40 Uhr steht er an diesem Morgen an der Germania-Maschine aus Beirut, um einen Vater und seinen Sohn in Empfang zu nehmen. Eine Familienzusammenführung. Viele Informationen hat er nicht. »Ich wusste lediglich: Der ältere Sohn der Familie kam damals mit 15 alleine nach Deutschland, dann durfte er seine Mutter und Schwester nachholen. Und jetzt noch den Vater und den 14-jährigen Bruder.« Ohne ein Wort Deutsch und »mit dem ganzen Zollkram« fühlen sich Fremde in der Regel komplett überfordert, weiß er. Auch emotional seien diese Wiedersehen oft nicht einfach. »Letzte Woche hatte ich eine Frau mit zwei Kindern zu ihrem Mann begleitet. Diese kannten ihren Vater kaum bzw. noch gar nicht und reagierten dementsprechend. Da versuche ich, Halt zu geben und eine Brücke zu bauen«, erzählt der evangelische Seelsorger im Büro seines katholischen Kollegen Franz Kohlhuber.

Kohlhuber und Fratzscher arbeiten Tür an Tür. »Eigentlich leben wir hier fast schon«, scherzt Kohlhuber, und Fratzscher stimmt ihm zu. »Ich habe letzte Nacht wieder mal hier geschlafen, der weite Weg nach Hause hätte sich nicht gelohnt.« Normalerweise pendelt der evangelische Pfarrer die Strecke von seiner Familie bei Rosenheim zum Flughafen nach Erding täglich. Aber oft muss es auch das Ikea-Bett in seinem Büro tun.

Die beiden Seelsorger haben was vom Charme der bayerischen »Tatort«-Kommissare Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec. Nur dass ihr »Tatort« der Flughafen ist. Kohlhuber ist seit fünf Jahren Seelsorger am Airport, Fratzscher kam vor zwei Jahren dazu. Seitdem arbeiten sie Hand in Hand, jedoch mit verschiedenen Schwerpunkten. Kohlhuber kümmert sich mit zwei Mitarbeitern vorwiegend um die Sorgen der Passagiere und begleitet die Rückführungen von abgelehnten Asylsuchenden. Fratzscher hat mit seinem Team ein offenes Ohr für die Airport-Mitarbeiter und betreut ankommende Asylbewerber. Beide sind sich einig: Kein Arbeitstag hier ist wie der andere. 500 bis 800 Reisende stehen pro Jahr hilfesuchend bei ihnen vor der Tür. Meist dauern die Begegnungen nur wenige Augenblicke, ab und zu einige Stunden, manchmal ein paar Tage. »Wir sind da, um Menschen zu helfen. Oft sind das ganz banale Probleme. Zum Beispiel der Passagier, der in Barcelona seine Geldbörse liegen gelassen hat und nun nicht weiß, wie nach Hause kommen soll.

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