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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2018
Was ist der Mensch wert?
Der Preis des Lebens und die Würde des Menschen
Der Inhalt:

Der Menschenversuch

Trotz der Empörung über die Tierversuche: Eine Verkehrswende ist nicht in Sicht

Man braucht keine Affen zu quälen, um die schädlichen Folgen des Autoverkehrs in den Städten zu erforschen. Denn die sind längst bekannt: Lärm, Rußpartikel und Stickoxide in der Luft verkürzen die Lebenserwartung und senken die Lebensqualität. Was hätten die bizarren Experimente also belegen sollen? Dass alles nur halb so schlimm ist? Dass die Menschen, die unter giftigen Autoabgasen leiden, sich ihre Beschwerden nur einbilden?

Auch wenn ein Skandal den andern jagt und jetzt angesichts der perversen Tierversuche sogar Automanager Empörung heucheln, auch wenn die EU-Kommission wieder einmal mit Klagen droht: Ein wirkliches Umdenken ist nicht in Sicht, die Verkehrswende steht in so weiter Ferne wie eh und je. Statt zu überlegen, wie Menschen möglichst sicher und emissionsarm von A nach B gelangen könnten, wie Städte geplant und Arbeit organisiert werden könnte, dass weniger Fahrten nötig werden, halten die Politiker unerschütterlich das Dogma der freien Fahrt für freie Bürger hoch.

Der Preis dieser Ideologie ist hoch. Nicht nur, dass die Abgasbelastung Hunderttausende Menschen krank macht – die Deutsche Umwelthilfe spricht zu Recht von einem »beispiellosen Großversuch« –, der Verkehr zerschneidet Stadtviertel, frisst kostbaren Platz, gefährdet das Leben. All das wird achselzuckend hingenommen.

»Autos haben in der Stadt nichts zu suchen«, sagt der Stadtplaner Jan Gehl. Ihm verdankt beispielsweise Kopenhagen, dass dort viel mehr Fahrrad gefahren wird als in deutschen Städten – hierzulande wird der weltweit renommierte Visionär von den Kommunen nicht einmal angefragt. Dabei bräuchten wir seine Ideen dringend. Statt Krokodilstränen über die geschundenen