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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2017
Steife Brise
Wie der Streit um die Windkraft gelöst werden kann
Der Inhalt:

Aufgefallen: Die Überlebende

Sabrina Tophofen wurde als Kind sexuell misshandelt und von niemandem geschützt. Jetzt spricht sie – stellvertretend für viele – vor Politikern in Berlin

Sie hat lange schwarze Haare, ein fein geschnittenes Gesicht und eine sonore Stimme. Die zierliche 36-Jährige sitzt auf einem Podium vor über hundert Zuhörern und erzählt von der sexuellen Gewalt, die sie als Kind erlitten hat. Sie schildert, wie ihr Vater sie einsperrte, wie er sie im Alkoholrausch verprügelte und missbrauchte. Da war sie gerade sechs. »Es fing an mit Anfassen und endete mit Vergewaltigung.« Sabrina Tophofen ist eines der Opfer, die die Unabhängige Aufarbeitungskommission Kindesmissbrauch zu ihrem ersten öffentlichen Hearing nach Berlin eingeladen hat. Unter den Zuhörern sind auch der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, und Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig.

Rund 700 Betroffene haben sich bislang bei der Kommission gemeldet, um ihre Geschichte zu erzählen. Sie tun das zumeist in vertraulichen Gesprächen oder schriftlichen Berichten. Sabrina Tophofen aber gehört zu den Opfern, die sich bewusst entschieden haben, es hier auf diesem öffentlichen Podium zu machen, um das ganze Ausmaß dieses Verbrechens, das in der Gesellschaft noch immer verdrängt wird, zu beschreiben.

Niemand hat ihr damals geholfen. Als ihre Mutter den Missbrauch entdeckte, beschimpfte sie das Kind als »kleine Hure, die meine Ehe kaputtmachen will«. Das Jugendamt schickte zwar eine Mitarbeiterin vorbei, unternahm aber nichts. Sabrina führt das darauf zurück, dass ihre Mutter zu den Sinti gehörte: »Es war klar: Bei den Zigeunern greift man nicht ein«, meint sie sarkastisch. Irgendwann lief sie weg und kam in ein geschlossenes Kinderheim. »So wurde ich eingesperrt – für das, was mein Vater getan hatte.« Sechs Jahre hat sie dann als Straßenkind auf der Köl