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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2016
Die Helfer
Flüchtlingskrise: Wie lange halten die Ehrenamtlichen noch durch?
Der Inhalt:

Wenn die Welt an Religion erkrankt

von Bettina Röder vom 12.02.2016
Micha Brumlik, Margot Käßmann und Milad Karimi über die Bedeutung von Glaube und Religion in der Flüchtlingsfrage

Oft habe ich davon geträumt, nach Afghanistan zurückzugehen, dort Kinderbücher zu schreiben oder eine Stiftung zu gründen«, sagt Milad Karimi und streicht die schwarzen Locken aus dem Gesicht. Dieser Traum sei auch nicht ganz weg. Dann schüttelt er energisch den Kopf: »Es macht keinen Sinn, in ein Land zurückzukehren, in dem Krieg herrscht.« Mit einem Blumenstrauß in der Hand steht der Religionsphilosoph und Islamwissenschaftler an diesem Abend im feinen Jackett aus farbigem indischem Stoff im altehrwürdigen Saal der Berliner Villa Elisabeth an der Invalidenstraße. Gerade ist eine interreligiöse Diskussion des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks zu Ende gegangen. Es ging um die Rolle der Religion bei der Integration von Flüchtlingen. Milad Karimi, einer der Diskutanten an diesem Abend, wusste sehr wohl, wovon er sprach.

Der 37-jährige gebürtige Afghane, der heute an der Uni Münster islamische Theologie und Mystik lehrt, kam 1992 als 13-Jähriger mit seinen Eltern aus Kabul nach Deutschland. Da hatten die Taliban schon drei Jahre lang das Land unterdrückt, Schrecken und Angst verbreitet. Seither, sagt er gegenüber Publik-Forum, sei er kein einziges Mal wieder in der Heimat gewesen. Er hat neben Freiburg im Breisgau auch im indischen Neu-Delhi studiert. Seine Aufgabe sieht er aber hier in seiner neuen Heimat Deutschland: Er möchte Menschen zur religiösen Mündigkeit verhelfen, damit sie Verantwortung für andere übernehmen und für sie da sein können. Mit anderen Worten: sie befähigen, mithilfe ihrer islamischen Religion zur Integration in Deutschland beitragen zu können. Wie aber kann das gelingen?

Karimi, der eine eigene Koran-Übersetzung vorgelegt hat, diskutiert darüber an diesem Abend mit der Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, und dem jüdischen Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik. Das Datum, der Holocaust-Gedenktag am 27. Januar, war denn auch kein Zufall. Denn er bietet sich an als Tag, »der zur Wachsamkeit gegen neuen Fremdenhass und Gewalt aufrütteln will, gerade auch angesichts eines neuen Rechtsrucks in ganz Europa«, wie Jo Frank, einer der Moderatoren, betonte.

Margot Käßmann greift das auf. Vor dem Hintergrund seiner Geschichte habe Deutschland geradezu die Pflicht, Menschen, die vor dem Krieg

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