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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2016
Die Helfer
Flüchtlingskrise: Wie lange halten die Ehrenamtlichen noch durch?
Der Inhalt:

Streit unter den Evangelikalen

von Michael Schrom vom 12.02.2016
Michael Diener stellte unbequeme Fragen. Jetzt gilt er als Nestbeschmutzer

Wenn es um ewige Wahrheiten geht, kann »Toleranz« schnell zum Schimpfwort werden, zur Chiffre für Beliebigkeit, Lauheit, Feigheit, Zeitgeist und Verrat. Das gilt in linken Gruppierungen ebenso wie in rechten. Nun trifft der Wahrheitsstreit mit voller Wucht die evangelikale Bewegung, die sich selbst als Widerstandskämpferin gegen die Selbstsäkularisierung des Christentums und die »Irrlehren« der evangelischen Kirche sieht.

Ausgelöst hat den Streit kein Geringerer als der oberste Repräsentant der Evangelischen Allianz, der Pfälzer Pfarrer Michael Diener. Nachdem Diener im vergangenen Jahr als erster Evangelikaler überhaupt in den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt wurde, hat er zwei bemerkenswerte Interviews gegeben: Der konservativen Tageszeitung »Die Welt« sagte er, dass er zwar aus der Bibel nicht herauslesen könne, »dass es einen Auftrag an die Kirche zur Segnung homosexueller Beziehungen und deren Gleichstellung mit der Ehe von Mann und Frau gäbe«, fügte aber hinzu: »Als Pfarrer habe ich gelernt, anzuerkennen, dass Menschen bei dieser Frage die Bibel anders lesen. Diese Brüder und Schwestern sind mir genauso wichtig wie diejenigen, die meine Meinung teilen.« Wenn man die Bibel genau lese, werde man feststellen, dass es »keine einzige Stelle gibt, wo sexualethische Verfehlungen allein gebrandmarkt werden«. Vielmehr gehe es immer auch um anderes Fehlverhalten, um Heuchelei, schlechte Nachrede oder Lieblosigkeit. Und bei diesen Themen, so Diener, »müssen wir Pietisten uns auch an die eigene Nase fassen«.

Damit nimmt er dem Streit um die Bewertung der Homosexualität nicht nur die kulturkämpferische Note, sondern wendet den Blick auf die Frage, wie man mit Andersfühlenden umgeht. »Meine Überzeugung ist einfach, dass wir in dieser Frage die Grenze nicht so ziehen sollten, dass Menschen, die ein anderes Verständnis zur Homosexualität haben, nicht mitwirken können.«

Das zweite heiße Eisen ist die Frage nach der Einzigartigkeit Jesu Christi beziehungsweise nach der Mission. Ausdrücklich verteidigt er in dem Magazin »Pro«, einer Zeitschrift der Evangelikalen, den Ratsvorsitzenden der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, gegen den Vorwurf, er betreibe »Religionsvermischung«, weil er sich als Bischof im Kuratorium eines islamischen Zentrums engagiere. Auch wenn man dies für falsch halte, gehe es nicht

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