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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2016
Die Helfer
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Der Inhalt:

»Ich kritisiere, was fast jeder liebt«

Mobilfunk-Kritiker Peter Hensinger tritt unermüdlich für eine Welt ein, die nicht von den digitalen Medien beherrscht wird. Sein Kampf wird immer schwieriger

Kaum betritt man die Wohnung von Peter Hensinger in Stuttgart, führt einen der Hausherr mit einem Messgerät in der Hand auf den Balkon: »Hier draußen beträgt die Strahlung fast 100 000 Mikrowatt je Quadratmeter.« Es geht zurück ins Warme, Hensinger schließt die Tür und deutet auf das Display. »Gerade mal 26 Mikrowatt. Meine Frau und ich haben die Wände durch Spezialtapeten abgeschirmt.«

Publik-Forum: Herr Hensinger, wie wurden Sie Mobilfunkgegner?

Peter Hensinger: In den 1990er-Jahren baute ich in Stuttgart eine Druckerei mit auf – für psychisch kranke Menschen, die wieder in die Berufswelt integriert werden sollten. Zu dieser Zeit bin ich als Betriebsratsvorsitzender erstmals mit dem Thema »Mobilfunk« konfrontiert worden: Auf dem Dach der Klinik sollte eine Sendeanlage installiert werden. Wir informierten uns über die Risiken und lehnten das Vorhaben ab. 2006 entstand dann eine Sendeanlage in direkter Nachbarschaft zu unserer Wohnung. Damals war ich ein Mitbegründer der Bürgerinitiative Mobilfunk Stuttgart-West. Ich sehe mich nicht als Mobilfunkgegner, das kann man heutzutage gar nicht sein, sondern verstehe mich als Umweltschützer, der für gesundheitsverträgliche Alternativen eintritt.

Ständig entstehen neue Funkstationen. Täuscht der Eindruck, dass sich außer Ihnen und Ihren Mitstreitern kaum noch jemand darum schert?

Hensinger: Ja, dieser Eindruck täuscht. Wöchentlich werden neue Bürgerinitiativen gegründet, die sich gegen den Wildwuchs wehren. Mich ärgert, dass die Medien über den Widerstand kaum berichten und stattdessen unkritisch die Standpunkte der Mobilfunklobby verbreiten. Liegt das daran, dass die Zeitungen immer stärker selbst im Online-Geschäft drinstecken? Oder blendet ihr Journalisten die Gefahren aus, weil ihr ansonsten eure eigene Mediennutzung hinterfragen müsstet?

Vielleicht liegt es einfach an den Erfahrungen, die man als Journalist sammelt. Ich habe beispielsweise 1992 eine Reportage über einen Landwirt gemacht, der behauptete, dass seine Kühe durch die Mobilfunkstrahlung unfruchtbar würden. Über solche Thesen lacht man heute.

Hensinger: Fachleute lachen darüber nicht. An der Uni Zürich wird zurzeit erforscht, warum sich das Blutbild von Kühen durch Mobilfunkstra

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