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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2016
Die Helfer
Flüchtlingskrise: Wie lange halten die Ehrenamtlichen noch durch?
Der Inhalt:

»Das Boot fuhr einfach weg«

Syrische Eltern verloren auf der Flucht ihr Kind. Nun ist die Familie wieder vereint – dank der Hilfe eines Thüringer Pfarrers

Der Anruf kam an einem Freitagnachmittag. Es war der 13. November vergangenen Jahres. »Ich dachte, es zerreißt mein Herz«, erinnert sich Fabian Groh, der 38-jährige Pfarrer aus dem kleinen Thüringer Ort Ziegenrück, selbst Vater von zwei Kindern. Eine Mitarbeiterin des Landrats in Thüringen hatte ihn um Hilfe gebeten. Weil sie selbst überlastet war und wusste, hier engagiert sich Kirche. Ein Paar aus Syrien war im Saale-Orla-Kreis angekommen – ohne ihre dreijährige Tochter. In den Wirren der Flucht über das Mittelmeer hatten sie das Kind bei einer Rangelei zwischen Schleppern und Polizei verloren. Das war im September. »Meine Frau war bereits im Boot«, erinnert sich der 29-jährige Vater Khalil Naif. »Wir Männer liefen hinterher, bis uns das Wasser bis zum Hals stand. Um einsteigen zu können, gab ich mein Kind dem Hintermann. Als ich im Boot war, kam die türkische Polizei und der Bootsführer fuhr eiligst los. Wir wollten ins Wasser springen, doch Passagiere hielten uns fest, versuchten uns zu beruhigen.« Dann hat man versucht, sie zu trösten: Die kleine Ilin kommt mit dem nächsten Boot. Kam sie aber nicht. Die Eltern warteten zwei Tage auf der Insel. Vergeblich.

Immerhin hatten sie telefonischen Kontakt zu den anderen Flüchtlingen aufgenommen. Die hatten sich mit der Tochter ins Innere des Landes zurückgezogen. Das Erlebnis mit den Schleppern und der Polizei hatte sie abgeschreckt, einen neuen Fluchtversuch über das Mittelmeer zu wagen. Ein Zurück für die Eltern, die sich schweren Herzens auf die West-Balkan-Route machten, gab es nicht. »Flucht ist eben diese Einbahnstraße«, sagt Groh. Wenigstens hatten sie mittlerweile Kontakt zu ihrem Kind, das am Handy immer weinte.

Das Schicksal hat den Pfarrer, der