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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2014
Der große Traum
Während im Westen die Euro-Angst grassiert, brennen die Osteuropäer für die europäischen Werte
Der Inhalt:

»Ich will, dass die Welt von uns weiß«

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 14.02.2014
Weil er für eine unabhängige Westsahara eintritt, wurde Mustapha Abdeddaim in marokkanischen Gefängnissen misshandelt. Jetzt will er die Welt aufrütteln

Drei Tage lang muss der Mann aus der Sahara in der fensterlosen Zelle aufrecht stehen. Ein leerer Raum, zwei Mal zwei Meter groß, in dem es bestialisch stinkt. Die Hände sind Mustapha Abdeddaim hinter dem Rücken zusammengebunden. 72 Stunden steht er da, nackt, die Beine verkrampft, die Kehle trocken. Einzige Erleichterung dieser schrecklichsten Tage seiner Gefängnishaft in Marokko: Fünf Minuten lang darf er die Stirn gegen die Wand lehnen.

Mit friedlichen Mitteln kämpft Mustapha Abdeddaim für ein Selbstbestimmungsrecht seines Volkes – der Saharauis – und die Unabhängigkeit der Westsahara von Marokko. Bei einer Lesereise durch Deutschland erzählt der Autor von der Folter, die er im Gefängnis erlitten hat. »Ich will, dass die Welt weiß, was mit uns Saharauis geschieht«, sagt er mit Nachdruck.

Der 51 Jahre alte Mustapha Abdeddaim wurde in der marokkanischen Stadt Salé geboren. Er besitzt einen marokkanischen Pass und ist dennoch kein Marokkaner, sondern Saharaui. Seit fast vierzig Jahren verlangt dieses Wüstenvolk seinen eigenen Staat. Nachdem die spanischen Kolonialherren 1975 abgezogen waren, besetzte Marokko die Westsahara. Die UNO verspricht den Saharauis schon seit 1991, in einem Referendum über den Status Westsaharas abstimmen zu dürfen. Doch darauf warten sie noch immer – größtenteils im algerischen Exil, wo Hunderttausende Menschen in Flüchtlingslagern leben.

In einem Café in Frankfurt erzählt der kleingewachsene Mann mit der dunklen Haut und den durchdringenden Augen vom Leid seines Volkes, von Phosphorbomben, die König Hassan II. 1978 auf die Saharauis abwerfen ließ, von brennenden Zelten und sterbenden Menschen im Lager Gdeim Izik im Oktober 2010 und von der 2700 Kilometer langen Mauer quer durch die Wüste. Er erzählt auch von einer jungen Frau, die entführt wurde. Das zwei Monate alte Baby entriss man ihr und ließ es zurück. Das Kind starb.

Das sei kein Einzelfall, betont Abdeddaim. »Aber wisst ihr von diesen Gräueltaten? Wird in euren Zeitungen darüber berichtet?« Er fragt es nicht anklagend, sondern spricht ruhig und besonnen. Nur wenn er auf Arabisch seine Texte vorliest, hört man den Schmerz in seiner Stimme. Er schreibt über die Saharauis, weil es sonst keiner tut. Während er vorliest, streicht er sich immer wieder mit der Hand über das Gesicht; er sieht erschöpft aus.

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