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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 3/2014
Der große Traum
Während im Westen die Euro-Angst grassiert, brennen die Osteuropäer für die europäischen Werte
Der Inhalt:

Verhängnisvolle Euro-Angst

von Wolfgang Kessler vom 14.02.2014
Im Westen fördern eine schwache Politik, rechte Populisten und die Furcht der Bürger um ihr Geld den Zerfall Europas. Zur Freude von US-Kapitalisten und autoritären Herrschern in Russland und China

Hinter der Europäischen Union steckt eine große Vision. Doch im Augenblick ist sie bedroht. Denn bei vielen Deutschen ist das Ansehen der EU auf einen Tiefpunkt gesunken. Angst um das eigene Geld, Kritik an der Bürokratie und die Abneigung gegen die gemeinsame Währung sorgen für wachsenden Frust.

Gerade im Jahr der Europawahlen werden diese Ängst kräftig geschürt. Ob der Front National in Frankreich, der Niederländer Geert Wilders von der Partei für die Freiheit, die Wahren Finnen, die Unabhängigkeitspartei in Großbritannien oder die Alternative für Deutschland – sie alle wollen letztlich die Rückkehr zu nationalen Währungen. Und nicht wenige von ihnen hetzen noch gegen Muslime, gegen Zuwanderer und gegen Homosexuelle.

Wären diese Populisten eine Randerscheinung, dann könnte man sie vernachlässigen. Doch Beobachter rechnen künftig mit bis zu 150 Europa-Skeptikern im neuen Parlament. Da es ihnen nicht um eine bessere, weil gerechtere Europäische Union geht, sondern um »weniger Gemeinschaft«, sind sie eine Gefahr für die Vision eines vereinigten Europa.

Klar ist: Die ebenso unsensible wie ungerechte Politik zur angeblichen Rettung des Euros hat den Nährboden für Aggressionen gegen die EU gut gedüngt. So verkünden die zuständigen Minister ständig, die Lage in den Krisenländern entspanne sich, der Euro sei sicher. Das klingt gut, stimmt aber nicht. Durch die harte Sparpolitik liegt das Bruttoinlandsprodukt Griechenlands inzwischen um 38 Prozent unter dem Stand von vor fünf Jahren, die Löhne sind dramatisch gesunken, die Renten auch. Dafür beläuft sich die Schuldenlast des Landes inzwischen auf rekordverdächtige 160 Prozent der Wirtschaftsleistung. Für Irland, Portugal und Spanien gilt das Gleiche.

Wenn sich die Eurokrise entspannt hat, dann liegt dies an dem Versprechen der Europäischen Zentralbank, Staatsanleihen aus Krisenstaaten aufzukaufen. Die Krise wird mit billigem Geld kaschiert, gelöst ist sie nicht. Deshalb sind die Sorgen vieler Bürger durchaus berechtigt, dass auf die deutschen Steuerzahler und Geldanleger noch hohe Kosten zukommen könnten.

Abenteuerlich ist jedoch der Glaube, eine Rückkehr zu nationalen Währungen

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