Buchbesprechungen
Neue Sachbücher

Christoph Fasel/Giora Feidman/Majid Montazer
For a Better World
Bonifatius. 160 Seiten. 20 €
Dieses Buch ist eine Würdigung des weltberühmten jüdischen Klarinettisten Giora Feidman aus Anlass seines 90. Geburtstags. Man liest und hört es wie eine musikalisch-menschliche Reise und erkennt zugleich ein Projekt mit einer klaren Botschaft: Wir haben die Verantwortung, unsere Welt in einen harmonischeren Ort zu verwandeln – mit Tönen, die verbinden statt trennen. Das Buch zum Album beleuchtet den kreativen Entstehungsprozess der Kompositionen, erzählt Geschichten hinter den Liedern, zeigt exklusive Fotos, Erinnerungen und persönliche Einblicke in das gemeinsame Schaffen zweier außergewöhnlicher Künstler. Feidman und Montazer teilen ihre Vision, ihre Zweifel und ihren Glauben an eine bessere Welt. Feidman lebt in Israel. Montazer, Moslem und gebürtiger Iraner, lebt in Deutschland. Zwischen ihnen liegen über 40 Jahre Altersunterschied, zwei Kulturen, zwei Religionen – und dennoch: Sie begegnen sich auf Augenhöhe. Was sie verbindet, ist die Liebe zur Menschheit. Die Sehnsucht nach Frieden. Sie richten ihren Blick auf eine Welt, die mehr sein kann als Konflikt und Krieg. Norbert Copray
Adrian Holderegger/Stephan Leimgruber/Silvia Schroer (Hg.)
Theologisches Schaffen in pluraler Gesellschaft
Theologischer Verlag Zürich. 886 Seiten. 80 €
Dieses Buch ist der vierte Band des Großprojekts einer Schweizer Theologiegeschichte ab dem 19. Jahrhundert. Vorgestellt werden 59 Persönlichkeiten, die an der Schwelle des 21. Jahrhunderts die Kirche in der Schweiz und ihre Theologie geprägt haben, in unterschiedlichen Konfessionen und theologischen Fächern. Dass unter den bis 1961 Geborenen nur neun Frauen vorgestellt werden können, entspricht der bisherigen Geringschätzung von Frauen in allen christlichen Kirchen. Die gut lesbaren Beiträge zeigen, wie religiöse Praxis und theologische Reflexion seit Mitte des 20. Jahrhunderts von Pluralität, Diversität und Kontroversität geprägt sind. Dass der biografische Kontext entscheidend für eine erfahrungsbezogene Theologie ist, wird deutlich herausgearbeitet. Ein informativer Überblick. Wolfgang Pauly
Claudia Mönius
Schweigen, Sprechen, Spielen
Kösel. 176 Seiten. 18 €

Angenehm leicht zu lesen und mit etwas Redundanz beschreibt die Autorin einen Dreiklang für mehr Leichtigkeit und Lebensfreude. Alles im richtigen Maß fördere heilsam die menschliche Entwicklung zur kindlichen Leichtigkeit, wie sie schon Jesus vor Augen hatte, als er sagte: Werdet wie diese Kinder! Als erfahrene spirituelle Coachin sind viele ihrer Postulate auch mit erhellenden Lebensgeschichten verbunden, als esoterische Kolumnistin legt sie viel Wert auf Optimierungen, als katholische Christin schimmert ihre Verehrung für ihren Seelsorger Jesuitenpater Karl Kern durch. Wanderer zwischen den heutigen spirituellen Welten und Religionen werden dieses Buch sicher mit viel Gewinn lesen. Bettina von Kienle
Arnis Vilks
Im Griff der unsichtbaren Hand
Meiner. 158 Seiten. 16,90 €
Der Staat soll sich aus der Wirtschaft möglichst weitgehend heraushalten. Durch das Zusammenspiel unzähliger individueller wirtschaftlicher Entscheidungen wird eine ›unsichtbare Hand‹ für ein optimales gesellschaftliches Gleichgewicht sorgen. Vor 250 Jahren prägt Adam Smith mit seiner These die Volks- und Wirtschaftswissenschaften. Zwar legen zahlreiche Gegenspieler ihren Fokus auf Nachfrage und staatliche Intervention zur Regulierung des Marktes, doch spätestens seit den 1970er-Jahren setzte sich der Neoliberalismus durch. Seine Mittel – Deregulierung, Privatisierung und Steuersenkungen – stärken zwar die freien Märkte, lassen aber die Schere zwischen Arm und Reich auseinanderklaffen. Die ›unsichtbare Hand‹, so Arnis Vilks, bleibe wirkungslos. Dies belegt der emeritierte Wirtschaftswissenschaftler eindrucksvoll anhand des Gini-Koeffizienten, der die Ungleichheit bei der Verteilung von Einkommen oder Vermögen abbildet. Will man hingegen die Demokratie stärken, brauche es mehr Staat. Die Lektüre setzt Vorinformation voraus. Torsten Habbel
Dipesh Chakrabarty
Ein Planet, viele Welten
Suhrkamp. 186 Seiten. 26 €
Der in Chicago lehrende Historiker beschreibt das globale Klima-Dilemma. Die Untätigkeit versteht er als ein unverantwortbares, ungelöstes Perspektivproblem (Klima-Parallaxe). In den Erdsystemwissenschaften bestehe Einigkeit darin, das System Erde als systemisch gefährdeten Planeten zu sehen – während politisch und ökonomisch Verantwortliche die Erde parzellieren und Verantwortungs- und Eingriffsebenen geopolitisch aufteilen und sich einer (globalen) ganzheitlichen Verantwortung entziehen. Die Macht des Finanz- und Rohstoffkapitals ist global – Ungleichheit, Armut und Unterdrückung werden hingegen als regionale Normalität hingenommen. Ein globalhistorischer Zugriff auf den anthropogenen Klimawandel zeigt aus tiefenhistorischer Perspektive eine geobiologische Geschichte unseres Planeten und die aktuell Verantwortlichen. Gleichzeitig lehrt ein interdisziplinärer Diskurs, der anthropologisch, globalhistorisch und philosophisch den Klimawandel als Problem erkennt: Eine Lösung gelingt nicht allein mit Wohlstands- und Verschwendungsverzicht, auch nicht mit Regimealternativen, sondern nur mit und in einer globalen Verantwortungsgemeinschaft. Anspruchsvoll und spannend. Karl Düsseldorff




