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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2020
Populisten
Warum sie gewählt werden
Der Inhalt:

Der Erfinder der Sardinen

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 31.01.2020
Aufgefallen: Fische gegen Katzen: Der Italiener Mattia Santori hat eine Bewegung ins Leben gerufen, die dem Populisten Matteo Salvini die Stirn bietet

Die Idee entstand in einer schlaflosen Nacht im November 2019: Mattia Santori entschloss sich, über Facebook zu einem Flashmob in seiner Heimatstadt Bologna aufzurufen. Dort wollte der rechte Lega-Chef Salvini auftreten. Am nächsten Morgen tat sich Santori mit drei Freunden zusammen und organisierte eine Gegendemo auf der Piazza Maggiore im Herzen der Stadt. Eng sollten die Menschen aneinanderstehen – wie Sardinen in einer Dose.

Die vier Freunde hofften, dass 6000 Menschen kommen würden und nannten die Aktion »6000 Sardinen«. Am Ende strömten mehr als 15 000 Leute auf den Platz. Über Nacht war Santori zum Sprecher einer neuen Bewegung geworden.

Es war, als hätten die Italiener nur darauf gewartet, dass jemand sie ermuntert, die piazze der Städte zurückzuerobern. Binnen kürzester Zeit folgten Mailand und Modena, Neapel, Florenz und Rom dem Beispiel Bolognas. Die Sardine steht seitdem für eine gerechte und solidarische Gesellschaft und gegen populistischen Hass.

»Die Sardine«, erklärt Santori, »ist ein Tier, das schwach zu sein scheint, es aber nicht ist.« Tatsächlich bringt der friedliche Fischmob auf den Straßen Italiens Salvini in Bedrängnis. »Sardinen können sich gut gegen große Raubfische wehren, sie rücken wie ein Ball zusammen oder schaffen einen Schatten, um Angreifer zu erschrecken. Und sie setzen das Gehirn ein, nicht die grobe Kraft«, sagt Santori.

Der Mann mit dem Wuschelkopf ist Anfang dreißig, hat Politikwissenschaft studiert und arbeitet als Sportlehrer und Energieberater. Er hat nie aktiv Politik gemacht, gehört keiner Partei an. Santori ist ein ganz normaler Typ, die Mutter Krankenschwester, der Vater Beamter. Einer, der mit seinem Moped durch Bologna kurvt, bei Facebook Bilder vom Sommerurlaub postet und bis vor wenigen Monaten nicht weiter aufgefallen ist. Wohl auch deshalb ist er so beliebt: weil er so normal ist.

In Italien ist die Grenze zwischen Politik und Theater, Ernsthaftigkeit und Humor oft fließend. Ein Platz voller Menschen, die Sardinen auf Pappschildern in die Höhe recken, auf der Bühne eine Band, die Atmosphäre ausgelassen wie bei einem Volksfest. Ist das schon Politik? Im Internet ist Salvini zum Gegenangriff übergegangen: Er postet Bilder von K

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